Dürre in Nordkorea : Viele Raketen und noch mehr Hunger

Das hochgerüstete Nordkorea soll 2016 das größte Wirtschaftswachstum seit 17 Jahren erzielt haben. Dennoch ist es auf Nahrungshilfe von außen angewiesen. Nun hat eine Dürre große Teile der Ernte zerstört.

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Eine nordkoreanische Bäuerin in der Phyongan Provinz.
Eine nordkoreanische Bäuerin in der Phyongan Provinz.Foto: Jacky Chen/Reuters

Immer wieder provoziert Machthaber Kim Jong Un die Welt mit Raketentests und seinem Nuklearwaffenprogramm. Zuletzt behauptete die Regierung öffentlich, nun in der Lage zu sein, Atomsprengköpfe auf Raketen zu montieren. Und der Diktator präsentiert sich der Welt gern als Kraftprotz bei stundenlangen Militärparaden, innenpolitisch aber zeigt sich aktuell wieder sehr deutlich, wie schwach das Land ist. Denn in Nordkorea wird die Nahrung knapp.

Das Land wird von der schwersten Dürre seit 16 Jahren geplagt. Große Teile der Getreideeinträge sind bedroht. Bereits bei der Frühjahrsernte habe es einen Einbruch um 30 Prozent gegeben, in den wichtigsten Anbaugebieten war zwischen April und Juni gefährlich wenig Regen gefallen, noch weniger als 2001, der letzten gravierenden Dürreperiode. Damals fiel die Getreideproduktion auf unter zwei Millionen Tonnen, normalerweise liegt sie bei etwa fünf Millionen. Besonders betroffen ist die Ernte von Reis, Mais, Kartoffeln und Sojabohnen. Das geht aus einem Bericht hervor, den die UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) am Freitag in Rom vorlegte.

Deshalb werden in den nächsten drei Monaten dringend größere Nahrungsmittelimporte notwendig. Besonders hilfsbedürftige Menschen wie Kinder und Senioren könnten ansonsten nicht ausreichend versorgt werden, sagte der für Nordkorea zuständige FAO-Repräsentant, Vincent Martin. Er forderte sofortige Hilfe für Bauern, auch in Form von Geräten und Material zur Bewässerung. Ausgerechnet das Land, das international so isoliert ist wie kaum ein anderes, braucht Hilfe von außen. Und das nicht zum ersten Mal.

Im kommunistisch regierten Nordkorea kommt es immer wieder zu Hungersnöten. 1996 führten Misswirtschaft, Dürre und Überschwemmungen zur bisher größten Katastrophe. Nach offiziellen Angaben starben dabei 200.000 Menschen, ausländische Experten kamen in ihren Schätzungen auf bis zu drei Millionen Opfer. Das Land gilt als eine der restriktivsten Diktaturen der Welt, mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion fiel Nordkorea der zentrale Handelspartner weg. Im gesamten Land leben etwa 25 Millionen Menschen.

Trotz der schwierigen Ausgangslage wächst die Wirtschaft

Wichtigster Verbündeter für Pjöngjang ist China. Die meisten westlichen Länder haben Sanktionen gegen Nordkorea verhängt. Besonders die USA dringen auf schärfere Strafmaßnahmen – notfalls auch über Bande. In Regierungskreisen wird offenbar erwogen, Strafmaßnahmen gegen kleinere chinesische Banken und andere Unternehmen zu verhängen, sollten sie Geschäfte mit Nordkorea betreiben. Zudem hat die Regierung in Washington ein Reiseverbot für US-Bürger nach Nordkorea erlassen, nachdem vor einem Monat der amerikanische Student Otto Warmbier nach mehr als einem Jahr in einem nordkoreanischen Arbeitslager als Komapatient freigelassen wurde und wenige Tage später in den USA starb. Das Verbot gelte ab Donnerstag, teilten chinesische Reiseveranstalter mit.

Trotz der für Nordkorea schwierigen Ausgangslage ist die Wirtschaft im Land im vergangenen Jahr so stark gewachsen wie seit 17 Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt sei um fast vier Prozent gestiegen, die Exporte um 4,6 Prozent. Das hat die südkoreanische Zentralbank ausgerechnet. Nordkorea gibt selbst keine Wirtschaftskennzahlen heraus. Besonders die Bereiche Bergbau und Energie hätten die Situation beflügelt, das Atom- und Raketenprogramm wirkte wie ein Wirtschaftsmotor.

Die Menschen im Land profitieren davon allerdings nicht. Große Teile des Landes sind extrem unterentwickelt, das Stromnetz ist unzuverlässig und fällt immer wieder aus, die Wirtschaftsleistung pro Kopf liegt trotz aller Steigerungsraten bei gerade einmal fünf Prozent des Nachbarn aus dem Süden. Das meiste von dem, was das Atomprogramm einbringt, fließt in Investitionen im gleichen Bereich.
Der kurzzeitige Erfolg ist obendrein fragil. Einen leichten Knick in der Wachstumskurve hatte es 2015, also ein Jahr vor dem Rekordjahr bereits gegeben. Das Land befand sich damals in einer Rezession. Auslöser war auch da eine Dürreperiode.

mit AFP/epd/rtr

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