Politik : Ehud Barak kündigt Rückzug an Verteidigungsminister kandidiert nicht mehr

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Tel Aviv - Israels Verteidigungsminister Ehud Barak tritt bei den Wahlen im Januar nicht mehr an. Der 70-Jährige kündigte seinen Rückzug ins Privatleben an. Da tritt ein Spitzenpolitiker zurück, und niemand bedauert dies. Vielleicht mit Ausnahme der US-Regierung, der Barak als Verbindungsmann diente, weil man dem Weißen Haus nicht den Nationalisten Avigdor Lieberman, den eigentlichen Außenminister, als Gesprächspartner zumuten wollte. Barak hinterlässt ein für Israel, die USA, ja die ganze internationale Gemeinschaft hochexplosives Erbe: Israels Drohung, gegen die atomare Aufrüstung des Iran militärisch vorzugehen. Barak und der Premier Benjamin Netanjahu waren bis vor zwei bis drei Monaten Partner an der Regierungsspitze und im Kampf zugunsten eines Militärschlags gegen den Iran.

Doch dann änderte Barak seine Meinung und ließ Netanjahu mit dessen bis auf Weiteres unrealistischen Angriffsplänen allein. Barak fasste seinen Rücktrittsentschluss am frühen Montagmorgen und berief kurzfristig eine alle überraschende Pressekonferenz ein – dabei wurden die Plakatwände entlang der Tel Aviver Stadtautobahn bereits mit seinem Wahlkampfporträt zugepflastert.

Nur dank des relativen Erfolgs der Militäroperation gegen die Hamas im Gazastreifen schaffte Baraks Unabhängigkeitspartei in den Umfragen nun erstmals den Sprung über die Zwei-Prozent-Hürde. Ihm und seinen Gefolgsleuten, die gemeinsam die Arbeitspartei verlassen hatten, drohte der Absturz ins politische Nichts. Dem kam Barak nun zuvor. Fragen, ob er trotz der Ankündigung nach der Wahl als außerparteilicher „Expertenminister“ einer künftigen Regierung angehören könnte, wich Barak am Montag aus. cal

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