Politik : Eine Bühne für Ahmadinedschad

Irans Präsdent verteidigt die eigene Vorgehensweise und kritisiert den Westen.

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Ungerecht behandelt? Ahmadinedschad bedauert die Feindseligkeit des Westens gegenüber dem Iran. Foto: Hasan Sarbakhshian/dadp
Ungerecht behandelt? Ahmadinedschad bedauert die Feindseligkeit des Westens gegenüber dem Iran. Foto: Hasan Sarbakhshian/dadpFoto: dapd

Berlin - Wer erwartet hatte, dass Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad im ZDF-Interview Zugeständnisse im Atomstreit machen würde, war enttäuscht. Das war offensichtlich auch der Moderator, Claus Kleber, der das kurzzeitig anberaumte Gespräch, das gekürzt am Montagabend im „heute journal“ lief und in der 42-minütigen Langfassung im Internet zu sehen ist, am Sonntag in Teheran geführt hatte. Aber es war ein interessanter Einblick in die Denkweise der iranischen Führung – so sah das auch das ZDF und strahlte die Passage aus, in der der Präsident den Holocaust erneut als Lüge bezeichnet, was in Deutschland sogar ein Straftatbestand ist. Gleichzeitig zeigte der Gesprächsverlauf aber auch eindringlich, warum der Dialog zwischen dem Westen und dem Iran so schwierig ist: Der Westen stellt Forderungen auf, der Iran entzieht sich vielen Fragen mit dem Hinweis auf doppelte Standards, bei denen der Westen schon mal in Erklärungsnot kommen kann. Sei es in der Menschenrechts- oder der Atompolitik.

Deutlich wurde: Irans Führung pocht auf Respekt, Dialog auf Augenhöhe und das gleiche Recht aller Staaten. Damit ist in erster Linie die Atommacht Israel gemeint. Kleber ist wie die Weltgemeinschaft schlecht vorbereitet auf die Frage, warum man den Iran in der Nuklearfrage so in die Zange nehme und nicht Israel, das bereits 250 atomare Sprengköpfe besitze. Israel habe den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet, lautet Klebers formale Antwort. Ob das bedeute, dass dieser Staat tun könne, was er wolle, fragt Ahmadinedschad zurück. „Ja, das ist wohl so“, sagt Kleber. Das ist Wasser auf die Mühlen eines Ahmadinedschad, der immer wieder darauf pocht, dass der Iran nach den gleichen Maßstäben behandelt wird wie andere Staaten. Seine Fragen nach der Sonderrolle Israels, das Besatzungs- und Atommacht sei, zeigen, dass sie ihm Beleg sind dafür, dass der Westen die Welt nach seinem Gusto regieren will und seine Verbündeten dabei anders behandelt werden als alte, aber nicht verbündete Kulturnationen wie der Iran: „Vor der Revolution waren die USA die herrschende Macht in unserem Land. Dann hat die Revolution die USA nach Hause geschickt. Seit 33 Jahren sind sie uns feindlich gesinnt.“ Auch Saddam Hussein hätten sie beim Angriff auf den Iran unterstützt. „Sagen Sie mir ein europäisches Land, das Saddam Hussein nicht unterstützt hat.“ Keiner hingegen protestiere im Westen, wenn Wissenschaftler auf offener Straße ermordet würden, weil sie am iranischen Atomprogramm mitforschten.

Zugleich hat der Iraner verblüffend klare Antworten auf einfache Fragen. „Wenn Ahmadinedschad eine Bombe bauen möchte oder will, wird er das bekannt geben“, sagt der Präsident, der eigentlich gar nicht für das Atomprogramm zuständig ist. „Und wenn wir sagen, wir bauen keine Bombe, bauen wir keine Bombe.“ Warum Iran 2009 den Vorschlag, Uran für seinen medizinischen Reaktor in Russland anreichern zu lassen, letztendlich blockierte, hat Kleber leider nicht gefragt. Warum Iran Antworten meist lange hinauszögert, auch nicht. Dafür erklärt Ahmadinedschad, dass Atombomben nicht nur „unmoralisch“ und „unmenschlich“ sind, sondern auch überholt. Sie würden Israel weder helfen, mit der Hisbollah in Libanon noch mit der Hamas in Gaza fertigzuwerden. „Haben sie den Zerfall der Sowjetunion verhindert?“ Die internationale Atomenergiebehörde beschuldigt der Präsident, nicht unabhängig zu sein und geheimes Material weiterzugeben. So habe der Iran eine Liste iranischer Atomwissenschaftler an die IAEO übergeben – von denen nun mehrere ermordet wurden. „Wer ist dafür verantwortlich?“ fragt Ahmadinedschad. Deshalb öffne man bestimmte Einrichtungen nicht mehr für Inspektoren. Aber er versichert: „Wir wollen keinen Krieg mit keinem Land.“

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