Einsatz der Bundeswehr in Syrien : Eine Art Krieg allein reicht nicht

Die Bundeswehr beteiligt sich am Krieg gegen den "Islamischen Staat". Vor allem geht es darum, dessen Expansionsdynamik zu brechen. Das könnte gelingen. Ein Kommentar.

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Ein Tornado des Aufklärungsgeschwaders 51 der Luftwaffe startet im schleswig-holsteinischen Jagel.
Ein Tornado des Aufklärungsgeschwaders 51 der Luftwaffe startet im schleswig-holsteinischen Jagel.Foto: dpa

Nun wird alles wieder ganz grundsätzlich. Richtiger oder falscher Krieg? Luftschläge oder auch Bodentruppen? Steigt die Terrorgefahr in Deutschland? Ja, Deutschland zieht in den Krieg gegen die IS-Terrormiliz. Schon an diesem Freitag wird der Bundestag diese Mission wohl absegnen.

Nach den Terroranschlägen in Paris hätte Angela Merkel ihrem wichtigsten europäischen Partner, François Hollande, die entsprechende Bitte nicht abschlagen können. Das wäre einer Aufkündigung der deutsch-französischen Freundschaft gleichgekommen – unvergleichbar mit Gerhard Schröders Nein zu George W. Bushs Irakkrieg. Denn im Fall Afghanistan hatte Schröder ja laut und vernehmlich Ja gesagt. Bedingungslose Solidarität, so hieß es damals.

Solidarisch ist Deutschland auch heute – und trotzdem ist vieles anders. Maßvoller, bescheidener, symbolischer. Ein paar „Tornado“-Aufklärungsflugzeuge werden entsandt, eine deutsche Fregatte soll den französischen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ schützen.

Weder wird geschossen noch gekämpft. Denn der Krieg gegen den „Islamischen Staat“ ist nur eine Art Krieg. In erster Linie geht es darum, dessen Expansionsdynamik zu brechen. An vier Fronten muss den Heiligen Kriegern Paroli geboten werden – im Osten durch die irakischen Truppen, im Norden durch die Kurden, im Westen durch die Soldaten Assads und aus der Luft durch die Anti-IS-Allianz.

Manche Daten deuten darauf hin, dass diese Strategie bereits Erfolg hat. Auch der Griff zu den Methoden des Terrors lässt sich als Zeichen der Schwäche des IS interpretieren. Das aber heißt, dass die militärischen Maßnahmen ergänzt werden müssen. Einerseits durch eine Intensivierung der Zusammenarbeit europäischer Geheimdienste: Es darf nicht länger sein, dass Terroristen mit europäischen Pässen nach Syrien und zurück fliegen, ohne minutiös verfolgt zu werden.

Andererseits durch eine bessere Integration der in Europa lebenden Muslime: Das Ziel der Terroristen ist es, diese in einen Loyalitätskonflikt zu treiben zwischen ihrer Heimat, in der sie sich oft nicht vollständig akzeptiert fühlen, und dem radikalen Islam, der ihnen kompensatorische Ehrgefühle verspricht. Wer nach den Terroranschlägen eine neue Verschleierungsverbotsdebatte anfängt, schürt diesen Konflikt.

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