Ein Zwischenruf zur Statistik : Gut gemeint, schlecht gemacht

Das Merkmal "Migrationshintergrund" sollte ausrangiert werden. Eine Kolumne

von
Barbara John
Barbara JohnFoto: Doris Spiekermann-Klaasl

Kaum ein Bericht über Bildung, Armut, Arbeit, Bevölkerung, in dem keine Anzahl der Personen mit „Migrationshintergrund“ (MH) genannt wird. Immer mehr Menschen werden mit diesem Merkmal statistisch erfasst. Es ist eine Erfindung ‚Made in Germany’, wird nur hier verwendet und das seit zehn Jahren. Nun könnte ihm das Aus drohen, denn „Migrationshintergrund“ ist nicht irgendeine begriffliche Spielerei, sondern ein amtliches Merkmal. Jährlich wird im Mikrozensus ein Prozent der Gesamtbevölkerung (etwa 830 000 Personen) dazu befragt (neben vielen weiteren Daten zur Lebenslage). Nun muss das Mikrozensusgesetz neu vom Bundestag beschlossen werden. Es wird also ernst: Wozu wird das Merkmal „Migrationshintergrund“ wirklich gebraucht? Ist es Top oder Flop?

Der Hintergrund wurde statistisch erhoben, um besser helfen zu können

Doch wer hat überhaupt einen amtlich verbindlichen „Migrationshintergrund“? Das zu ermitteln, kommt einer detektivischen Kleinarbeit gleich.

Das Ergebnis kennt niemand der Betroffenen, es ist erst einmal nur eine statistische Unterscheidung. Politikern und Experten schien es vor zehn Jahren politisch korrekter zu sein, zwischen deutsch und ausländisch noch eine weitere Kategorie einzufügen, nämlich Menschen mit einer Einwanderungsbiografie. Das musste nicht die eigene sein, es reichte auch die der Vorfahren. So sollten auch die inzwischen Eingebürgerten zahlenmäßig sichtbar bleiben, um sie auf vielen Feldern mehr zu unterstützen. Doch nun haben alle Eingebürgerten und Ausländer einen „MH“, auch wenn sie selbst gar nicht eingewandert sind. Deutsche Staatsangehörige mit Eltern und auch Großeltern deutscher Staatsangehörigkeit haben keinen „MH“, sind also „echte“ Deutsche.

Die "echten" Deutschen sind die Bezugsgröße

Doch das heißt, die „echten“ (ethnischen?) Deutschen dienen als Bezugsgröße für die „nur“ Eingebürgerten. Das haben sich keine Rechtspopulisten ausgedacht. Gemeint war es inklusiv und helfend. Doch um das zu erreichen, gibt es neutralere Kategorien, beispielsweise ein niedriges Einkommen oder die geringe Qualifizierung. Ade „MH“, du bist ein echter Flop!

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