• EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm: "Fremdenfeindlichkeit ist nicht mit christlichem Glauben vereinbar"

EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm : "Fremdenfeindlichkeit ist nicht mit christlichem Glauben vereinbar"

Immer mehr Menschen demonstrieren für die vermeintliche Verteidigung der Werte des christlichen Abendlandes. Auch fremdenfeindliche Töne sind dabei zu hören. Doch das verträgt sich nicht mit christlichem Glauben, sagt EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm.

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Heinrich Bedford-Strohm (54) ist Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) und Landesbischof in Bayern.
Heinrich Bedford-Strohm (54) ist Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) und Landesbischof in...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Vor dem Hintergrund der Pegida-Demonstrationen in Dresden und anderen deutschen Städten hat der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, erklärt, dass Fremdenfeindlichkeit nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar sei. Der Bischof der evangelischen Landeskirche in Bayern sagte dem Tagesspiegel: "Jesus hat uns das Doppelgebot der Liebe mit auf den Weg gegeben: Gott lieben und den Nächsten lieben. Jesus selbst sagte: ,Ich war ein Fremder, und ihr habt mich aufgenommen.'" 

Bedford-Strohm bezeichnete es in dem Interview als "bemerkenswert, dass die Angst vor dem Islam und vor den Flüchtlingen am größten ist, wo die wenigsten Muslime leben. Das zeigt, wie wichtig es ist, Menschen zu begegnen."

Er selbst habe vor ein paar Tagen 50 Vertreter muslimischer Gemeinden aus Bayern zur Adventsandacht eingeladen, sagte Bedford Strohm, der Landesbischof von Bayern ist. "Ich lasse mich auch gerne zum Iftar-Essen einladen. Da treffe ich keine radikalen Islamisten, sondern die vielen, die hier einfach als Muslime friedlich leben wollen", sagte er.

Zugleich sprach sich der Bischof gegen ein Burka-Verbot in Deutschland aus. Zwar sei es für ihn persönlich "wichtig, einer Person ins Gesicht schauen zu können, wenn ich mich mit ihr unterhalte". Deshalb stehe er der Vollverschleierung "sehr kritisch" gegenüber. Aber ein Burka-Verbot sei eine Phantom-Diskussion. "In München sind viele Menschen aus arabischen Ländern zu Gast. Selbst da habe ich noch nie eine Burka gesehen."

Ein Gesetz diene dazu, Gefahren abzuwehren. "Die Körperbedeckung durch Verschleierung oder Burka ist nichts, was durch ein Gesetz abgewehrt werden müsste", sagte Bedford-Strohm. "Das ist ein Thema, das in der Zivilgesellschaft und im Dialog der Religionen erörtert werden muss."

Weil das Selbstbestimmungsrecht der Frau ein "unaufgebbares Recht" sei, müsse darüber gesprochen werden, wie Frauen die Verschleierung wahrnehmen. "Als etwas, das ihre Rechte beschneidet? Oder als etwas, das ihrer Persönlichkeit entspricht? Das genau muss Gegenstand der Debatte sein, die ich meine", sagte Bedford-Strohm. Und wenn die Vollverschleierung Ausdruck der Selbstbestimmung wäre, würde er "erst recht sagen: Ein gesetzliches Verbot ist nicht der richtige Weg".

Das komplette Interview mit Heinrich Bedford-Strohm lesen Sie am Mittwoch, dem 24. Dezember 2014, im gedruckten Tagesspiegel oder heute Abend ab 20 Uhr im ePaper.


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