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Eklat bei Podiumsdiskussion : SPD-Politiker wirft Pirat Lauer "peinliche Verteidigung" vor

Eklat bei einer Podiumsdiskussion: Der SPD-Abgeordnete Sven Kohlmeier kritisiert die Kommunikationskultur der Piraten, Fraktionschef Christopher Lauer verlässt daraufhin die Bühne. Das Echo auf seinen Abgang ist gemischt.

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Angefressen: Piraten-Fraktionschef Christpher Lauer.
Angefressen: Piraten-Fraktionschef Christpher Lauer.Foto: dapd

Der Fraktionschef der Berliner Piraten Christopher Lauer hat eine Internetkonferenz im Berliner Radialsystem nur wenige Minuten nach Beginn der Diskussion verlassen und so für einen Eklat gesorgt: Als ihn ein Sozialdemokrat kritisierte, verließ er das Podium. Das bestätigte Lauer dem Tagesspiegel am Sonntagabend. "Ich war nicht beleidigt", sagte der 28-Jährige. "Ich bin bloß gegangen, weil es mir eindeutig zu doof war."

Ein Video auf YouTube zeigt seinen Abgang. Das Thema des Podiums war ein Rückblick auf die Arbeit der Piraten-Fraktion im vergangenen Jahr - in Berlin war der Partei im Herbst 2011 der bundesweit erste Einzug in ein Länderparlament gelungen. Auslöser für den Ärger Lauers: Sven Kohlmeier, netzpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, kritisierte direkt zu Beginn die Kommunikationskultur der Piraten im Parlament. Man könne mit ihnen kein vernünftiges Gespräch führen, weil sie ständig mit ihren Smartphones beschäftigt seien. Sie würden keine Debatten prägen und sich nicht inhaltlich profilieren.

Lauer war darüber am Abend immer noch entrüstet. "Wenn man über ein Jahr Piratenfraktion im Abgeordnetenhaus sprechen will, kann man ja sagen: Was lief gut, was schlecht - damit habe ich kein Problem. Aber ich lasse mir von der SPD nicht vorwerfen, wir wären nicht gesprächsbereit." Dieses "Kasperltheater" habe er schon montags in den Ausschüssen und donnerstags im Plenum, das müsse er sich nicht am Sonntagabend auch noch geben: "Da habe ich echt Besseres zu tun." Ganz anders sieht das Kohlmeier. Per Twitter teilte er mit, er halte Lauers Argumentation für eine "peinliche Verteidigung". Er hätte nicht gelogen, sondern nur "Tatsachen" aus dem Abgeordnetenhaus berichtet. "Gibt's nen Audiostream?", fragt Kohlmeier. In der Tat ist der Vorfall schwer nachzuvollziehen, denn ein solcher Stream fehlt - was aber viele Twitternutzer nicht davon abhält, klare Meinungen zu dem Vorfall kundzutun. Die Reaktionen reichen von Respekt für den "ehrlichen" Auftritt Lauers bis zu Kritik daran, er habe die Piraten in Grund und Boden blamiert.

Der Vorgang war am Abend in vielen Internetmedien, etwa bei "Spiegel Online" an dritter Stelle auf der Homepage zu finden. Dazu stellte Lauer halb bitter, halb belustigt fest: "Ich habe noch nie eine inhaltliche Aussage der Piraten an dritter Stelle bei Spiegel Online gefunden."

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