Emir von Katar in Deutschland : Schwieriger Besuch für Angela Merkel

Politiker von SPD, Linken und Grünen fordern von der Kanzlerin, den Emir auf Katars mutmaßliche Unterstützung der IS-Terroristen anzusprechen, ebenso wie die viel kritisierten Bedingungen auf den WM-Baustellen.

Scheich Tamim bin Hamad al-Thani ist seit 2013 der Emir von Katar.
Scheich Tamim bin Hamad al-Thani ist seit 2013 der Emir von Katar.Foto: dpa

Mehrere Politiker von SPD, Linken und Grünen haben von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gefordert, beim Besuch des Emirs von Katar auch kritische Themen wie die Unterstützung des Staates für die Dschihadisten anzusprechen. Der SPD-Wirtschaftspolitiker Klaus Barthel sagte dem Portal "Handelsblatt Online", mit Scheich Tamim bin Hamad al-Thani müsse auch über die Lage im Irak und in Syrien gesprochen werden - "und über die Rolle Katars in den Konflikten". Er erwarte, dass die Regierung dem Bundestag und der Öffentlichkeit erkläre, wer die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) unterstütze.

SPD-Bundesvize Ralf Stegner sagte dem Portal dazu, Länder, die den IS unterstützten, dürften weder deutsche Waffenlieferungen bekommen, noch sollte es mit solchen Staaten privilegierte Wirtschaftsbeziehungen geben. Die Linken-Politikerin Sevim Dagdelen forderte Merkel sowie Bundespräsident Joachim Gauck zudem dazu auf, sich dafür einzusetzen, dass die WM 2022 nicht in Katar stattfindet. Das Land bezeichnete sie als einen "Sklavenstaat", in dem Arbeiter auf Baustellen ausgebeutet würden.

Auch die Grünen-Politikerin Kerstin Andreae forderte Merkel und Gauck auf, Menschenrechtsverletzungen von Arbeitern auf den WM-Baustellen des Landes anzusprechen. In Berlin steht am Mittwoch auch ein Treffen des Emirs von Katar mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) an. Katar steht international wegen des Vorwurfs in der Kritik, die Dschihadisten in Syrien ebenso wie die palästinensische Hamas-Bewegung zu unterstützen.

Öl brachte den Reichtum

Mit seiner Größe und seiner Bevölkerung ist das Emirat Katar nicht gerade ein Schwergewicht, doch hat sich der kleine Wüstenstaat in den vergangenen Jahren durch seine ehrgeizige Außenpolitik international einen Namen gemacht. Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war die aride Halbinsel im Persischen Golf nur von einigen Beduinen, Fischern und Perlentauchern besiedelt. Erst die Entdeckung großer Öl- und Gasvorkommen brachten dem Wüstengebiet überregionale Bedeutung. Die Öl- und Gasförderung zog hunderttausende Arbeiter aus Südasien und umliegenden Staaten an, die heute mehr als 90 Prozent der 2,1 Millionen Einwohner stellen. Ein Großteil der Bevölkerung lebt in der Hauptstadt Doha, die sich zu einer modernen Stadt mit glitzernder Skyline entwickelt hat.

Sklavenähnliche Zustände beim Bau der WM-Stadien

Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 102.000 Dollar lag Katar im vergangenen Jahr weltweit an erster Stelle. Allerdings profitiert nur ein geringer Teil der Einwohner von dem Reichtum. Zuletzt machten insbesondere die harten Arbeitsbedingungen auf den Baustellen für die Fußball-WM 2022 Negativschlagzeilen. Aktivisten und Reporter berichteten über sklavenähnliche Zustände, unter denen die Migranten beim Bau der WM-Stadien arbeiten mussten. Es gab Forderungen nach einem Entzug der Fußball-WM.

Zugleich mehrte sich die Kritik an der ehrgeizigen Außenpolitik des autoritär regierten Königreichs. Dabei hatte Katar damit zunächst durchaus Erfolg. Mit guten Kontakten in alle Richtungen konnte sich Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani, der vergangenes Jahr die Macht an seinen Sohn übergab, als Vermittler in regionalen Konflikten wie im Libanon einbringen und auch dem Westen damit immer wieder gute Dienste leisten. Mit dem Nachrichtensender Al-Dschasira verschaffte sich Katar ein wichtiges Sprachrohr in der Region.

Al Dschasira wegen Unterstützung der Muslimbruderschaft in der Kritik

Auch wenn sich der Sender in der Innenpolitik strikt an die Vorgaben des Königshauses hält, setzte er mit seiner in außenpolitischen Fragen weitgehend unabhängigen Berichterstattung neue Maßstäbe und eroberte binnen kurzer Zeit ein Millionenpublikum. Seit dem Arabischen Frühling 2011 mehrte sich aber bei den Nachbarn die Kritik an dem Sender. Insbesondere die Unterstützung für die Muslimbruderschaft in Ägypten stieß auf Unmut in Saudi-Arabien und anderen Golfmonarchien, welche die islamistische Bewegung als Bedrohung ihrer Herrschaft betrachten.

Im März dieses Jahres zogen Saudi-Arabien, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate wegen des Streits ihre Botschafter aus Doha ab, und am vergangenen Wochenende war Katar gezwungen, mehrere Anführer der Muslimbrüder des Landes zu verweisen. Doch auch aus dem Westen wuchs derweil die Kritik an der Unterstützung Dohas für die radikalen Rebellen in Syrien ebenso wie für die palästinensische Hamas-Bewegung, deren Exilführung in Katar Zuflucht gefunden hat. Mancher Beobachter sieht den Einfluss Katars daher bereits im Niedergang begriffen. (AFP)

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