Energiewende : Auktionen sollen das EEG reformieren

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger legt einen neuen Vorschlag vor, wie die Schwächen der Wind- und Solarstromförderung behoben werden könnten. Er wendet sich gegen die Quotenmodelle, die unter anderen die Monopolkommission und der Sachverständigenrat, dem Bofinger selbst angehört, gefordert haben.

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Nach der Wahl wird die Debatte über eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ernsthaft geführt werden. Denn dass es Reformbedarf gibt, bezweifelt niemand. Das Foto zeigt das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde mit Windrädern davor.
Nach der Wahl wird die Debatte über eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ernsthaft geführt werden. Denn dass es...Foto: dpa

Die Diskussion über die Energiewende gerät zum Ende des Wahlkampfes hin immer schriller. Industrieverbände fordern ein „Moratorium“ für den Ausbau erneuerbarer Energien, verschiedene Beratungsgremien der Bundesregierung wollen die Abschaffung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) zugunsten einer Quotenlösung. Dadurch würden der Staat und die großen Energiekonzerne bestimmen, wie viel erneuerbare Energie ins System kommt. Zuletzt hat die Monopolkommission ein solches Mengenmodell verlangt.
Nun macht der Würzburger Ökonomieprofessor Peter Bofinger im Auftrag der Baden-Württemberg-Stiftung einen neuen Vorschlag: Er will das EEG mit einem Auktionsmodell verbinden.

In Brasilien beispielsweise findet der rasante Ausbau der Windenergie auf der Basis eines solchen Auktionsmodells statt. Die Regulierungsbehörde schreibt regional eine bestimmte Energieerzeugungsleistung aus. Der günstigste Bieter erhält den Zuschlag, und das sind in Brasilien immer öfter Windparks.
Mit einem ähnlichen Modell will Peter Bofinger das EEG weiterentwickeln. In seinem Gutachten "Förderung fluktuierender erneuerbarer Energien: Gibt es einen dritten Weg?", das dem Tagesspiegel vorliegt, analysiert Bofinger das EEG und das unter anderem auch von den Wirtschaftsweisen vorgeschlagene Quotenmodell. Bofinger gehört dem Sachverständigenrat seit 2004 an. Im Vergleich zur Quote schneidet das EEG fast immer besser ab. Der Grund: Bei Quotenmodellen werden immer etablierte Technologien bevorzugt und erzeugen so höhere Gewinne für die Anbieter. Sowohl in Großbritannien als auch in Spanien und Italien, wo per Quotenmodell Energie erzeugt wird, kostet die Kilowattstunde Windstrom mehr als in Deutschland mit dem EEG. Der Fall Schweden, den die Monopolkommission in ihrem jüngsten Gutachten zum Vorbild erklärt hat, ist nach Bofingers Einschätzung mit Deutschland nicht vergleichbar. Schweden hat einen enorm hohen Wasserkraft und einen höheren Biomasseanteil. Beide lassen sich, anders als Wind- und Solarstrom, zeitlich steuern. In Deutschland gibt es keine so hohen Potenziale für Biomasse- oder Wasserkraftstrom.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eine Diskussion über eine EEG-Reform sofort nach der Wahl angekündigt. Bofingers Vorschlag zur Modernisierung des bisherigen Systems stößt zum Beispiel in Baden-Württemberg auf Sympathie, ohne es komplett zu zerschlagen. Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) sagte dem Tagesspiegel dazu: „Auktionsmodelle könnten langfristig eine wichtige Rolle bei der Förderung erneuerbarer Energien spielen.“ Entscheidend sei, dass der „Ausbau der Erneuerbaren oder einzelner Technologien nicht verhindert und dass deren Marktintegration befördert“ wird. „Das Quotenmodell ist ganz sicher nicht die richtige Lösung“, sagte Untersteller.

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