Entsetzen in der Bevölkerung : Ägyptens größte Fußball-Katastrophe

02.02.2012 16:05 UhrVon Martin Gehlen
  • 01.02.2012: Tausende Fußballfans haben im ägyptischen Port Said nach einem Sieg ihrer Mannschaft das Spielfeld gestürmt. Binnen weniger Minuten verwandelte sich das Stadion in eine... - Foto: AFP
  • Polizisten gelang es offenbar lange Zeit nicht, die Kontrolle über das Geschehen zu erringen. - Foto: Reuters
  • Mehr als 70 Menschen starben - hunderte wurden verletzt – die schwerste Fußball-Katastrophe in der Geschichte Ägyptens. - Foto: AFP

Über 70 Tote und mehr als 1000 Verletzte. Das ist die traurige Bilanz der heftigsten Krawalle in der Fußball-Geschichte Ägyptens. Wie konnte es zu solch einem Unglück kommen?

Demonstrationen im ganzen Land, ein kleinlauter Militärrat, hitzige Debatten im Parlament - Ägypten steht unter Schock. Die Menschen auf der Straße und in den Teehäusern können die Tragödie der vergangenen Nacht noch gar nicht fassen. Den ganzen Tag laufen im Fernsehen die Bilder aus der Hölle im Stadion von Port Said. Tote liegen auf dem Rasen, Massen prügeln besinnungslos aufeinander ein, Spieler rennen in Todesangst vom Platz, verbarrikadierten sich in den Kabinen und flehen über Handy um ihr Leben. Feuerwerkskörper setzen Zuschauerränge in Brand.

Fans werden von den Tribünen in die Tiefe gestoßen, andere von der panisch fliehenden Menge zu Tode getrampelt. Stundenlang dauerten in der Nacht zu Donnerstag die mörderischen Ausschreitungen in der Küstenstadt Port Said zwischen den Fans der Heimmannschaft Masry und den Unterstützern von Meister Ahly aus der 170 Kilometer entfernten Hauptstadt Kairo. Mindestens 74 Tote und über 1000 Verletzte forderten die schlimmsten Fußball-Krawalle in der Geschichte Ägyptens – und sind gleichzeitig die bisher größte Katastrophe von Anarchie und Gesetzlosigkeit seit dem Sturz von Hosni Mubarak vor fast genau einem Jahr.

Am Donnerstagmorgen landeten zwei Militärhubschrauber mit den verängstigten Ahly-Spielern sowie zwei Dutzend Schwerverletzten in Kairo, wo sie von dem Vorsitzenden des Militärrates, Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi, empfangen wurden. „Dies wird Ägypten nicht klein kriegen“, erklärte er und rief eine dreitägige Staatstrauer aus. „Wir haben einen klaren Fahrplan, um die Macht an gewählte Zivilisten zu übergeben. Wenn irgendjemand das durch Chaos verhindern möchte, es wird ihm nicht gelingen.“ Man werde die Verantwortlichen nicht ungestraft davonkommen lassen.

Doch wer für das Massaker in der Arena von Port Said verantwortlich ist, darüber gab es den ganzen Tag über hitzige Debatten. Die einen machten die gewalttätigen Ultra-Fanclubs beider Seiten verantwortlich. Die anderen sahen darin das Werk von Provokateuren des alten Regimes. „Der wahre Grund für diese Eskalation ist die bewusste Abwesenheit von Polizei und Militär“, erklärte der Abgeordnete der Muslimbruderschaft, Essam el-Erian. Der Zusammenbruch der inneren Sicherheit solle absichtlich Chaos sähen und das Land zerstören, um „die Revolution zu unterminieren und die friedliche Übergabe der Macht an die zivilen Gewählten zu verhindern“. Auch der Präsident des Masry-Klubs von Port Said, der noch in der Nacht zurücktrat, sprach von „einer Verschwörung, um den Staat zum Einsturz zu bringen“. Die Polizei müsse endlich wieder in voller Stärke auf die Straße und ihre Arbeit tun.

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite