Entsetzen in der Bevölkerung : Ägyptens größte Fußball-Katastrophe

Über 70 Tote und mehr als 1000 Verletzte. Das ist die traurige Bilanz der heftigsten Krawalle in der Fußball-Geschichte Ägyptens. Wie konnte es zu solch einem Unglück kommen?

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01.02.2012: Tausende Fußballfans haben im ägyptischen Port Said nach einem Sieg ihrer Mannschaft das Spielfeld gestürmt. Binnen weniger Minuten verwandelte sich das Stadion in eine Hölle, aus der es für viele Menschen kein Entrinnen mehr gab.Weitere Bilder anzeigen
Foto: AFP
01.02.2012 22:4901.02.2012: Tausende Fußballfans haben im ägyptischen Port Said nach einem Sieg ihrer Mannschaft das Spielfeld gestürmt. Binnen...

Demonstrationen im ganzen Land, ein kleinlauter Militärrat, hitzige Debatten im Parlament - Ägypten steht unter Schock. Die Menschen auf der Straße und in den Teehäusern können die Tragödie der vergangenen Nacht noch gar nicht fassen. Den ganzen Tag laufen im Fernsehen die Bilder aus der Hölle im Stadion von Port Said. Tote liegen auf dem Rasen, Massen prügeln besinnungslos aufeinander ein, Spieler rennen in Todesangst vom Platz, verbarrikadierten sich in den Kabinen und flehen über Handy um ihr Leben. Feuerwerkskörper setzen Zuschauerränge in Brand. Fans werden von den Tribünen in die Tiefe gestoßen, andere von der panisch fliehenden Menge zu Tode getrampelt. Stundenlang dauerten in der Nacht zu Donnerstag die mörderischen Ausschreitungen in der Küstenstadt Port Said zwischen den Fans der Heimmannschaft Masry und den Unterstützern von Meister Ahly aus der 170 Kilometer entfernten Hauptstadt Kairo. Mindestens 74 Tote und über 1000 Verletzte forderten die schlimmsten Fußball-Krawalle in der Geschichte Ägyptens – und sind gleichzeitig die bisher größte Katastrophe von Anarchie und Gesetzlosigkeit seit dem Sturz von Hosni Mubarak vor fast genau einem Jahr.

Am Donnerstagmorgen landeten zwei Militärhubschrauber mit den verängstigten Ahly-Spielern sowie zwei Dutzend Schwerverletzten in Kairo, wo sie von dem Vorsitzenden des Militärrates, Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi, empfangen wurden. „Dies wird Ägypten nicht klein kriegen“, erklärte er und rief eine dreitägige Staatstrauer aus. „Wir haben einen klaren Fahrplan, um die Macht an gewählte Zivilisten zu übergeben. Wenn irgendjemand das durch Chaos verhindern möchte, es wird ihm nicht gelingen.“ Man werde die Verantwortlichen nicht ungestraft davonkommen lassen.

Doch wer für das Massaker in der Arena von Port Said verantwortlich ist, darüber gab es den ganzen Tag über hitzige Debatten. Die einen machten die gewalttätigen Ultra-Fanclubs beider Seiten verantwortlich. Die anderen sahen darin das Werk von Provokateuren des alten Regimes. „Der wahre Grund für diese Eskalation ist die bewusste Abwesenheit von Polizei und Militär“, erklärte der Abgeordnete der Muslimbruderschaft, Essam el-Erian. Der Zusammenbruch der inneren Sicherheit solle absichtlich Chaos sähen und das Land zerstören, um „die Revolution zu unterminieren und die friedliche Übergabe der Macht an die zivilen Gewählten zu verhindern“. Auch der Präsident des Masry-Klubs von Port Said, der noch in der Nacht zurücktrat, sprach von „einer Verschwörung, um den Staat zum Einsturz zu bringen“. Die Polizei müsse endlich wieder in voller Stärke auf die Straße und ihre Arbeit tun.

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