Politik : Erdogan will Kurden besser behandeln

Thomas Seibert

Istanbul - Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat einen Neuanfang in der Kurdenpolitik seines Landes angekündigt. Bei einem Besuch in Diyarbakir sagte Erdogan, der türkische Staat habe in der Vergangenheit in der Kurdenpolitik „Fehler“ gemacht. Erdogan brach mit einem Tabu der türkischen Politik und sprach offen von einem „Kurdenproblem“, das mit einem Ausbau der Demokratie und der Schaffung von Wohlstand gelöst werden müsse. Terrorismus werde aber nicht geduldet, sagte Erdogan mit Blick auf die Rebellengruppe PKK.

„Das Kurdenproblem ist unser aller Problem und vor allem mein Problem“, sagte der Regierungschef. Der türkische Staat sei bereit, sich den in der Vergangenheit gemachten Fehlern zu stellen. Die offizielle Türkei hatte bisher stets bestritten, dass es ein „Kurdenproblem“ gibt. Erdogan betonte, die Kurden seien türkische Staatsbürger wie alle anderen auch. Die Opposition in Ankara hielt Erdogan vor, er gefährde die Einheit der Nation, wenn er von einem Kurdenproblem spreche. Führende Kurdenpolitiker begrüßten Erdogans Vorstoß dagegen. Der politische Arm der PKK sprach ebenfalls von einer „bedeutenden“ Initiative Erdogans.

Ob sich auch die militärische Führung der Rebellen dieser grundsätzlichen Reaktion anschließt, war zunächst unklar. In der osttürkischen Hafenstadt Mersin gab es bei einer offenbar durch eine Bombe verursachten Explosion einen Toten und einen Verletzten. Wie der türkische Fernsehsender NTV unter Berufung auf Behördenvertreter am Samstag weiter meldete, hatte die getötete Person den Sprengsatz vermutlich selbst zusammengebaut.

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