Erste Ausgabe nach dem Anschlag in Paris : "Charlie Hebdo" triumphiert am Kiosk

Die historische Ausgabe der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" findet riesigen Absatz – stößt aber auch auf Kritik in der muslimischen Welt.

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Ausverkauft. Auf die 27.000Zeitungsverkaufsstellen im ganzen Land gab es in aller Frühe einen riesigen Ansturm.
Ausverkauft. Auf die 27.000Zeitungsverkaufsstellen im ganzen Land gab es in aller Frühe einen riesigen Ansturm.Foto: dpa

Die erste Ausgabe der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" nach dem tödlichen Attentat in der vergangenen Woche war bereits am Mittwochmorgen innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Auf die 27.000Zeitungsverkaufsstellen im ganzen Land gab es in aller Frühe einen riesigen Ansturm. An den Kiosken an Pariser Bahnhöfen, Metro-Stationen und anderen belebten Verkehrsplätzen mussten die Händler schon kurz nach sieben Uhr Plakate mit der Aufschrift "Plus de Charlie", ("Kein Charlie mehr") aushängen.

Muslime in aller Welt verurteilten die neuen Mohammed-Karikaturen

Muslime in aller Welt verurteilten die neuen Mohammed-Karikaturen. In der Türkei ordnete ein Gericht die Sperrung von Webseiten an, die das Titelbild zeigten. Wer die "heiligen Werte der Muslime" verletze, mache sich der "Provokation" schuldig, teilte Vize-Regierungschef Yalcin Akdogan über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Die Veröffentlichung sei "weder sinnvoll noch logisch noch klug", erklärte der als Graue Eminenz der Muslimbrüder geltende katarische Prediger Jussef al Karadaui, Leiter des Weltverbands der muslimischen Religionsgelehrten.

Der Großmufti von Jerusalem, Mohammed Ahmed Hussein, sagte, "die Veröffentlichung der Karikaturen verunglimpft den Propheten und beleidigt die Gefühle von fast zwei Milliarden Muslimen in aller Welt". Der "heilige Charakter" bestimmter Werte müsse respektiert werden, sagte Irans Außenminister Mohammed Dschavad Sarif in Genf.

"Islamischer Staat" nennt neue Zeichnungen "extrem dumm"

Die Dschihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS) bezeichnete die Zeichnungen in einer über einen eigenen Rundfunksender verbreiteten Nachricht als "extrem dumm". Die in Ägypten ansässige, einflussreiche islamische Al-Ashar-Institution forderte hingegen Muslime auf, die "Charlie Hebdo"-Veröffentlichung zu ignorieren. Der Prophet sei "zu erhaben", um durch diese "hasserfüllte Frivolität Schaden zu erleiden".

Al Qaida bekennt sich zu den Angriffen

Eine Woche nach dem Anschlag bekannte sich die Terrororganisation Al Qaida auf der arabischen Halbinsel (AQAP) zu dem Attentat. Der Angriff sei auf Befehl von Al-Qaida-Chef Aiman al Sawahiri verübt worden, erklärte ein ranghohes Mitglied der im Jemen ansässigen Gruppe am Mittwoch in einem Video. Al Qaida habe den Anschlag geplant, finanziert und das Ziel ausgesucht.

Bisher wurden drei Millionen Exemplare gedruckt

Von der neuen "Charlie Hebdo"-Ausgabe, die statt sonst 16 nur acht Seiten umfasst und an einem geheim gehaltenen Ort in einer Auflage von drei Millionen gedruckt wurde, sollen nun weitere Millionen Exemplare nachgeliefert werden. Für die neue Ausgabe liegen laut Angaben des Verlags Bestellungen aus mehr als 20 Ländern vor, darunter auch aus Indien und Australien.

In Deutschland soll die Zeitschrift am Wochenende erhältlich sein

Der Inhalt soll ins Englische und Arabische übersetzt werden. In Deutschland soll "Charlie" am Wochenende erhältlich sein. Eine deutschsprachige Ausgabe sei zunächst aber nicht geplant.
Wegen Verherrlichung des Terrorismus wurde unterdessen der umstrittene Komiker Dieudonné zum Verhör in Polizeigewahrsam genommen. Im Internet hatte der den Trauermarsch vom Wochenende als "magischen Augenblick, vergleichbar dem Big Bang, der das Universum schuf" bezeichnet.

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