Politik : „Es gibt genügend Feinde“

Das Internet ist voll von Möllemann-Verschwörungstheorien

Burkhard Schröder

Ich habe einen Verdacht". So beginnen Verschwörungstheorien. Das Thema „Jürgen W. Möllemann" ergießt sich über die Foren im Internet. Und die Stimmen derjenigen, die hinter dem Tod Mord wittern, sind allgegenwärtig. „Die Selbstmord-Theorie wurde von den Aasgeiern der Journaille verbreitet" schreibt beispielsweise ein Autor namens Rohsetzer im Internet-Forum des FDP-Bundesvorstands.

Nur wenige Minuten nach der ersten Pressemeldung, der FDP-Politiker sei in den Tod gesprungen, meldeten sich die ersten Surfer zu Wort. Foren, die sich ausschließlich dem Thema „Verschwörung" widmen, quollen über: „Ich hoffe nur, dass die Drahtzieher gefunden werden", hieß es da, und schon nach wenigen Stunden beschwerten sich die ersten Surfer: „Man muss sonst ja schon richtig suchen, wenn man mal was über eine Nicht-Möllemann-Verschwörung lesen möchte." Grenzen des guten Geschmacks gibt es im Internet nicht. Die unmoderierten Foren bieten denjenigen Raum, die sonst nirgends zu Wort kommen. Dabei ist der Unterschied zwischen ernst gemeinten Verschwörungstheorien und ironischer Persiflage kaum zu erkennen. Klaus Kerstan schreibt in „de.alt.soc.verschwörung“: „Bei Fortuyn war es ähnlich. Möglich bis höchstwahrscheinlich auch, dass M. einiges Insiderwissen hatte, welches seinen Gegnern gefährlich werden könnte, wenn er in die Ecke gedrängt wird." Nur wenige Mausklicks entfernt, im Forum des FDP-Bundesvorstands, zieht Theo Gottwald aus Karlsruhe Parallelen zu dem „Badewannen-Selbstmord" Barschels. „Der Leser" ist sich ebenfalls sehr sicher: „Alles Lüge! Es waren 9 Kameraden und Zeugen mit im Flugzeug. Selbstmord? Nie im Leben!" Eine „JohannaW", die sich nach eigener Aussage „etwas mit Menschen auskennt", folgert: „Es war kein Freitod, da bin ich mir sehr sicher."

Verschwörungstheorien haben in den vergangenen Jahren – nicht zuletzt wegen des Internets – immer größere Verbreitung gefunden. Untersuchungen in Amerika belegen den massenpsychologischen Effekt: „Conspiracy" sei eine „Art der Paranoia", die die Gesellschaft umgebe, eine kollektive Form eines post-traumatischen Stress-Syndroms, schreibt die Zeitung „Globe and Mail". Gerüchte verbreiten sich in Sekunden: Der WDR habe angeblich gemeldet, Möllemann sei ohne Fallschirm gesprungen. Obwohl das Gerücht schnell widerlegt wird, verbreiten Verschwörungstheoretiker, man könne sich nicht sicher sein. Das Gerücht verfestigt sich als eine von vielen möglichen Wahrheiten. Und immer die gleichen Fragen werden gestellt. Wird hier nicht etwas verschwiegen? Wer steckt dahinter? Wer hat wann welchen Journalisten bestochen, damit die Wahrheit nicht ans Licht kommt?

„Martina" schreibt im FDP-Forum: „Na ja, irgendjemand wird schon den Auftrag zum Mord gegeben haben. Gibt ja genügend Feinde." Und Verschwörungstheorien im deutschsprachigen Raum brauchen nur wenige Minuten, um einen antisemitischen Unterton zu bekommen. „Vielleicht hat der Mossad etwas damit zu tun. Hat jemand Infos über diese Möglichkeit?" So schreibt ein Georg Lehle im FPD-Forum. Und sofort verbreiten andere: „Möllemann – ein Mossad-Opfer?"

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