Europawahl : EVP-Spitzenkandidat Juncker befürchtet Abkehr der Arbeitnehmer von Europa

Der Spitzenkandidat der Konservativen bei der Europawahl, Jean-Claude Juncker, schlägt Alarm: „Weite Teile der europäischen Arbeitnehmerschaft“ drohten sich vom europäischen Projekt zu verabschieden, beklagt der Christsoziale.

von und
Der Spitzenkandidat der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) bei der Europawahl, Jean-Claude Juncker.
Der Spitzenkandidat der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) bei der Europawahl, Jean-Claude Juncker.Foto: dpa

Der Spitzenkandidat der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) für die Europawahl, Jean-Claude Juncker, hat eine sozialpolitische Schieflage in der Europäischen Union beklagt. „Wir erleben gerade, dass sich weite Teile der europäischen Arbeitnehmerschaft vom europäischen Projekt zu verabschieden drohen“, sagte Juncker im Interview mit dem Tagesspiegel am Sonntag. „Wer diese Gefahr nicht erkennt, ist taub und blind.“

Juncker tritt bei der Europawahl am 25. Mai gegen den Spitzenkandidaten der Sozialdemokraten, Martin Schulz (SPD), an. Mit seinem Hinweis auf die Belange der Arbeitnehmer in der EU machte der Christsoziale Juncker deutlich, dass er den Sozialdemokraten beim Kampf um breite Wählerschichten nicht das Feld überlassen will. So wies Juncker auch den Vorwurf zurück, dass die konservative Europäische Volkspartei in der EU ausschließlich für den Sparkurs verantwortlich sei: „Ich wehre mich gegen den Eindruck, dass die Christdemokraten Austerität durchsetzen wollen und die Sozialdemokraten für Wachstum und Solidarität stehen.“

Selbstkritik mit Blick auf Griechenland

Mit Blick auf Griechenland sagte Juncker, dass die Rückkehr Athens an die Finanzmärkte kurzfristig nicht die Probleme der Bevölkerung in Hellas löse. Der Schritt führe „nicht automatisch zu einer dramatischen Verbesserung der Lebensverhältnisse“ in Griechenland. Vielmehr werde der Anpassungsprozess in Griechenland „noch sehr lange dauern“. Selbstkritisch merkte Juncker an, dass es in seiner Zeit als Vorsitzender der Euro-Gruppe zu großen Sparanstrengungen im griechischen Gesundheitswesen gekommen sei, „die ungerechte Auswirkungen hatten“.

Zudem sprach sich Juncker für eine stärkere Koordinierung der Wirtschaftspolitik in der Euro-Zone aus. „Mehr Zuständigkeiten müssen auf die europäische Ebene verlagert werden“, sagte der EVP-Spitzenkandidat. Gleichzeitig appellierte der frühere luxemburgische Ministerpräsident an die französische Regierung, die Staatsfinanzen in den Griff zu bekommen: „Am Beispiel Frankreichs zeigt sich, dass Länder mit hohen Schuldenständen und großen Etatdefiziten nicht die besten Ergebnisse beim Wachstum und der Beschäftigung vorweisen können.“

Die rasante Karriere des Jean-Claude Juncker
Mittendrin statt nur dabei. Nicht viele legen eine Karriere wie Jean-Claude Juncker hin. Ob mit deutschen Politikgrößen, wie hier Angela Merkel und Helmut Kohl, oder bei der Debatte um den Euro: Der Luxemburger war immer vorne dabei. In unserer Galerie sehen Sie noch einmal die wichtigsten Stationen der turbulenten Laufbahn.Weitere Bilder anzeigen
1 von 19Foto: dpa
11.07.2013 10:26Mittendrin statt nur dabei. Nicht viele legen eine Karriere wie Jean-Claude Juncker hin. Ob mit deutschen Politikgrößen, wie hier...

Lesen Sie morgen das Interview im Wortlaut im gedruckten Tagesspiegel oder ab 19.30 Uhr im E-Paper .

Autoren

27 Kommentare

Neuester Kommentar