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Ex-Pegida-Frontfrau Kathrin Oertel : "... ob ich Stripperin gewesen sei? Wahnsinn"

Pegida gebe immer häufiger Extremisten eine Plattform, sagt deren ehemalige Frontfrau Kathrin Oertel. Dennoch bedauert sie das Ende ihrer Freundschaft mit Lutz Bachmann.

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Die damalige Pegida-Anführerin Kathrin Oertel im Januar in der ARD-Talkshow "Günther Jauch"
Die damalige Pegida-Anführerin Kathrin Oertel im Januar in der ARD-Talkshow "Günther Jauch"Foto: Paul Zinken/dpa

Die ehemalige Pegida-Frontfrau Kathrin Oertel rechnet mit der Anti-Islam-Bewegung ab, die sie selbst im Februar im Streit verlassen hat. Dem "Zeit Magazin" sagte Oertel: "Allmählich merkten wir, dass Pegida mehr und mehr Leuten eine Plattform gab, denen wir keine Plattform geben wollten. Extremisten zum Beispiel." Pegida sei ihr zu radikal geworden, sie sehe es nicht ein, "dass ich mich für Äußerungen von Mitgliedern des Orga-Teams rechtfertigen muss, hinter denen ich überhaupt nicht stehe".

Pegida hatte sich nach der Spaltung deutlich nach rechts entwickelt. Viele Ableger stehen inzwischen unter dem Einfluss von Rechtsextremisten oder werden sogar von ihnen gesteuert. Inzwischen holt Pegida Rechtspopulisten aus ganz Europa auf ihre Kundgebungen, am kommenden Montag soll der niederländische Islam-Hasser Geert Wilders in Dresden sprechen - und, so die Pegida-Hoffnung, 30.000 Besucher anlocken. Am Ostermontag hat Pegida die ehemalige Hamburger AfD-Funktionärin Tatjana Festerling als Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl im Juni in Dresden nominiert. Die Teilnehmerzahlen an den Kundgebungen wachsen inzwischen wieder.

Pegida-Anführer Lutz Bachmann, mit dem Oertel befreundet war, hatte auf Facebook gegen Ausländer gehetzt und ein Foto von sich selbst als Hitler verkleidet gepostet. Man trennte sich im Streit, Anfang Februar gründeten Oertel und andere eine rechtspopulistische Konkurrenzorganisation zu Pegida. Aber auch bei "Direkte Demokratie für Europa" (DDfE) ist Oertel nun nicht mehr dabei. Der Draht zum Pegida-Chef ist inzwischen abgerissen: "Ich dachte, wir alle könnten das Privatleben von der professionellen Ebene trennen", sagte Oertel dem "Zeit Magazin". "Ich kann das. Ich kann in der Sache streiten und danach trotzdem zusammen etwas trinken gehen. Ich hätte mir gewünscht, dass Herr Bachmann das ebenfalls hinbekommt."

"Dann kannste eigentlich nur noch nach Sibirien ziehen"

Das Image als Islamfeindin und Rechtspopulistin wird Oertel nach eigener Einschätzung dennoch nicht so schnell los. Sie stilisiert sich im Gespräch mit dem Magazin als Opfer ihres Engagements in der Anti-Islam-Bewegung: Der Druck von außen sei heftig gewesen. "Man kommt nachts noch zwei, drei Stunden zur Ruhe", sagte Oertel. "Man arbeitet rund um die Uhr an dieser einen Sache."

Die Öffentlichkeit gab nach ihrer Darstellung keine Ruhe: "Bei uns in Coswig sind mal Journalisten herumgelaufen und haben gefragt, ob ich Stripperin gewesen sei, Wahnsinn", berichtet Oertel. "Ich habe nie an irgendeiner Stange getanzt. Aber man sucht sich halt seine Story." Sie habe immer gesagt, so Oertel, wenn es mit Pegida vorbei sei, man seinen Ruf verspielt und die ganze Sache sich erledigt habe, "dann kannste eigentlich nur noch nach Sibirien ziehen, wo dich keiner kennt".

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