Exil-Gegner des türkischen Präsidenten : Gülen wirft Erdogan Erpressung vor

Der türkische Präsident Erdogan macht den Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Gülen fordert die US-Regierung auf, sich dem Auslieferungsgesuch der Türkei zu widersetzen.

Der islamische Prediger Fethullah Gülen fordert die USA auf, sich dem Auslieferungsantrag der Türkei zu widersetzen.
Der islamische Prediger Fethullah Gülen fordert die USA auf, sich dem Auslieferungsantrag der Türkei zu widersetzen.Foto: dpa

Der islamische Prediger Fethullah Gülen hat die US-Regierung aufgerufen, sich dem Auslieferungsgesuch der Türkei zu widersetzen. „Der türkische Präsident erpresst die Vereinigten Staaten“, schrieb Fethullah Gülen in einem Meinungsbeitrag für die „New York Times“ am Dienstag. „Sein Ziel: Meine Auslieferung sicherzustellen trotz des Fehlens glaubwürdiger Beweise und praktisch keiner Aussicht auf einen fairen Prozess.“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan macht Gülen für den gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli verantwortlich und hat seine Auslieferung beantragt. Der 75-jährige Gründer der einflussreichen Hizmet-Bewegung, der seit 1999 zurückgezogen im Exil in Pennsylvania lebt, bestreitet jede Verwicklung. „Die Versuchung, Herrn Erdogan zu geben, was immer er will, ist verständlich. Doch die Vereinigten Staaten müssen ihr widerstehen“, schrieb Gülen.

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Gülen glaubt nicht an Auslieferung an Türkei
Gülen glaubt nicht an Auslieferung an Türkei

Die USA haben von der Türkei Beweise für eine Verantwortung Gülens gefordert und versichert, sie gemäß den üblichen Prozeduren zu prüfen. Erdogan hat tausende angebliche Mitglieder der Hizmet-Bewegung festnehmen lassen, während zehntausende weitere Soldaten, Polizisten, Justizbeamte sowie Lehrer, Journalisten und Universitätsdozenten unter dem Verdacht entlassen oder suspendiert wurden, Sympathien für Gülen zu hegen. In der „New York Times“ warf Gülen seinem einstigen Verbündeten und heutigen Gegner Erdogan vor, eine „Diktatur“ zu errichten, die „die Bevölkerung polarisiert“ und „die Fanatiker befeuert“.

Die Türkei will unterdessen zum Gedenken an die Opfer des Putschversuches die bekannte Bosporus-Brücke in Istanbul umbenennen. Die Verbindung zwischen Asien und Europa in der Millionenmetropole werde künftig den Namen „Brücke der Märtyrer des 15. Juli“ tragen, kündigte Ministerpräsident Binali Yildirim nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu an. Putschisten aus den Reihen der Streitkräfte hatten die Brücke in der Nacht vom 15. auf den 16. Juli mit Panzern besetzt. (AFP/dpa)

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