Politik : Experten: Nato braucht Plan für Erstschlag

Matthias Thibaut

London -Fünf ehemalige Nato-Kommandeure haben die Allianz aufgefordert, ein Konzept für einen atomaren Erstschlag zu entwickeln und entsprechende Entscheidungsmechanismen aufzubauen. Nach Informationen des „Guardian“ hat das Expertengremium einen Bericht für die Nato verfasst, der beim Gipfel im April diskutiert werden soll. Zu den Experten gehört der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr und Vorsitzende des Nato-Militärrates, General Klaus Naumann. Die andere Autoren stammen aus Großbritannien, den USA, den Niederlanden und Frankreich.

Es gebe „einfach keine realistische Aussicht auf eine atomwaffenfreie Welt“, zitiert das Blatt den Bericht. Angesichts des drohenden Risikos der weiteren Verbreitung von Atomwaffen und des wachsenden Risikos nuklearer Kriege auch „in begrenztem Rahmen“, müsse der Ersteinsatz von Atomwaffen „als letztes Instrument zur Verhinderung des Einsatzes von Massenvernichtungswaffen im Köcher der Eskalation bleiben“.

Russland hatte erst am vergangenen Wochenende erneut bekräftigt, dass es sich ein Recht auf den atomaren Erstschlag vorbehält. Generalstabschef Juri Balujewski erklärte auf einer Konferenz in Moskau, Russland wolle niemanden angreifen, aber die ganze Welt müsse wissen, dass Russland zur Verteidigung seiner Souveränität und territorialen Einheit bereit sei, präventiv „auch atomare Waffen“ einzusetzen. Wie das Papier der fünf westlichen Experten führte Balujewski den internationalen Terrorismus und regionale Konflikte als Bedrohung an, nannte aber auch „das Streben einzelner Staaten nach Weltmacht“. Russland hatte im vergangenen Jahr Patrouillenflüge von Langstreckenbombern im Atlantikraum wieder aufgenommen. Russische Flugzeuge wurden von dänischen und britischen Kampfflugzeugen aus der Nähe ihrer Hoheitsgebiete vertrieben.

Militärexperten bezeichneten das Nato-Papier als „rätselhaft“. Dana Allin vom Institute for Strategic Studies (IISS) in London, Herausgeber der Zeitschrift „Survival“, räumte aber ein, dass eine Atomdrohung gegen Schurkenstaaten „effektiv” sein könnte. Matthias Thibaut

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