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Fall Nadja Drygalla : Rudern und Zurückrudern

07.08.2012 11:21 Uhrvon und
Mit anderen Augen. Über Nadja Drygallas Beziehung wusste wohl nur ein Teil der Ruderszene Bescheid. Foto: dpaBild vergrößern
Mit anderen Augen. Über Nadja Drygallas Beziehung wusste wohl nur ein Teil der Ruderszene Bescheid. - Foto: dpa

Für Nadja Drygalla war Olympia vorzeitig beendet – wegen ihrer Kontakte in die rechte Szene. War der Umgang mit ihr korrekt?

Nadja Drygalla hat gerudert, geredet und ist dann abgereist aus London: Der Fall der deutschen Ruderin ist erst nach dem Ausscheiden des Frauen-Achters bei den Olympischen Spielen zum Thema geworden. Denn erst da wurde öffentlich, dass Drygallas Lebensgefährte dem rechtsextremen Spektrum angehört. Nun steht im Raum, dass Drygalla selbst in die Szene verstrickt ist. Das spitzt den Fall, in dem vieles bislang nicht stimmig ist, zu.

Wer wusste was im Fall Nadja Drygalla?

Dass Nadja Drygalla einen rechtsextremen Freund hat, war zum Teil in ihrem Verein ORC Rostock als auch unter einem Teil der Sportler bekannt.

Hans Sennewald, stellvertretender Vorsitzender des OSC, erklärte, dass er schon vor Jahren mit Drygalla wegen der Beziehung gesprochen habe. Die Ruderin habe erklärt, sie teile nicht die Ansichten ihres Freundes. „Aber ich kann nicht beeinflussen, an wen ein junges Mädchen ihr Herz verschenkt“, sagte der Vereinsfunktionär.

Sennewald ist auch Vorsitzender des Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern. Den Deutschen Ruderverband hatte er vor Olympia nur „bei Gesprächen am Rande“ über die Beziehung Drygallas informiert. „Offiziell“, teilte Siegfried Kaidel, Präsident des Deutschen Ruderverbands (DRV), mit, sei über rechtsextreme Ansichten von Drygalla oder über ihren Freund nichts bekannt gewesen – was Sennewald „nicht kommentieren“ will.

Video: Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag fordert zweite Chance für Drygalla

Dass die Information nicht zu den obersten Funktionären durchgedrungen sein soll, ist in der kleinen deutschen Ruderszene zumindest ungewöhnlich. Auch die Nachricht, dass Drygalla im Herbst 2011 aus der Landes-Sportfördergruppe der Polizei ausschied, ging offenbar vom Landesverband nicht an den DRV weiter. Drygalla hatte ihren Dienst quittiert, nachdem das Landesinnenministerium Gespräche mit ihr geführt hatte. Angesichts ihrer Beziehung wäre sie ein Sicherheitsrisiko gewesen. Laut Ministeriumssprecher Michael Teich waren sowohl der Landesruderverband als auch der Landessportbund (LSB MV) „unmittelbar“ über das Ausscheiden Drygallas aus dem Polizeidienst informiert worden – was der LSB zunächst bestritt, später aber zugab. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), der die Olympiamannschaft nominiert, wusste nach eigenen Angaben nichts von Drygallas Beziehung.

Hat Nadja Drygalla gegen die Olympische Charta verstoßen?

Der DOSB hätte keine Chance gehabt, Drygalla den Trip nach London zu verwehren. Als Sportlerin hatte sie sich nichts zuschulden kommen lassen. Um an den Olympischen Spielen teilnehmen zu dürfen, muss ein Sportler oder Offizieller die Olympische Charta akzeptieren. Neben der Einhaltung des World- Anti-Doping-Codes muss dabei vor allem der Geist des Fairplay und der Gewaltlosigkeit geachtet werden. Das schreibt Zulassungsregel 41 vor. Von politischer Gesinnung eines Teilnehmers ist in der Charta nicht die Rede.

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