Familienförderung : Merkel will keine Kinderlosen-Abgabe

14.02.2012 17:05 Uhrvon
Strafpunktesystem für Kinderlose? Foto: dpa
Strafpunktesystem für Kinderlose? - Foto: dpa

Junge Abgeordnete der Union schlagen eine Abgabe für Kinderlose vor. Doch sie stoßen mit ihrem Vorschlag in der Koalition auf Widerstand.

Berlin - Kinderlose und Familien mit nur einem Kind sollen nach dem Willen von mehreren jungen Unions-Angeordneten eine Demografie-Abgabe zahlen. Doch Aussicht auf Erfolg haben sie damit derzeit nicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnte den Vorstoß umgehend ab. „Schon eine Einteilung in Menschen mit und ohne Kinder ist nicht zielführend“, sagte sie am Dienstag. „Ich glaube, wir müssen andere Wege finden.“ Auch von Familienministerin Kristina Schröder (CDU) gab es ein klares Nein.

Konkret fordern die Abgeordneten der Jungen Gruppe und des Beirats für nachhaltige Entwicklung eine einkommensabhängige Abgabe ab dem 25. Lebensjahr, die sich nach der Zahl der Kinder richtet.

Kinderlose sollen voll zahlen, Eltern mit einem Kind die Hälfte, Familien mit mehr Kindern nichts. Damit soll ein finanzielles Polster für die Zeit angelegt werden, in denen die „Baby-Boomer-Jahrgänge“ pflegebedürftig werden – in den Jahren 2025 bis 2050. „Immer weniger Jüngere müssen immer mehr Aufgaben schultern, der Generationenvertrag gerät aus dem Gleichgewicht“, heißt es in dem Papier. Weil in Deutschland zu wenig Kinder geboren würden, müsse nun für „mehr individuelle Gerechtigkeit“ bei der Finanzierung der Sozialsysteme gesorgt werden.

Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn fände eine solche Abgabe gerecht. „Die einen investieren in Kinder und damit in die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft. Dann können die anderen auch finanzielle Vorsorge für die Sozialsysteme betreiben“, sagte er. Die CSU-Politikerin Daniela Ludwig sagte, die demografischen Lasten sollten möglichst gerecht auf alle Generationen verteilt werden.

Die familienpolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Dorothee Bär, geht davon aus, dass viele Kinderlose nichts gegen einen solchen Beitrag hätten. „Es geht nicht darum, jemanden zu bestrafen. Aber Eltern mit Kindern tragen nun einmal besonders hohe finanzielle Lasten, außerdem sichern sie die umlagefinanzierten Sozialsysteme. Dafür muss es auch einen Ausgleich geben“, fordert die CSU-Politikerin. Es gebe viele Menschen, „die sich bewusst entscheiden, keine Kinder zu bekommen und damit den Generationenvertrag aufzukündigen“. Das könne man niemandem vorwerfen. Doch wenn die Sozialsysteme auf Dauer erhalten werden sollten, müssten Kinderlose auch einen höheren finanziellen Beitrag zahlen, verlangt Bär.

Familienministerin Schröder sagte der „Welt“: „Ich finde es vernünftiger, Kinderwünsche zu befördern, statt Kinderlosigkeit zu bestrafen.“ Auch die FDP-Familienpolitikerin Miriam Gruß kritisierte, die Abgabe lasse außer Acht, dass es auch zwei Millionen ungewollt kinderlose Paare in Deutschland gebe, sowie zunehmend Singles, die sich „sehnlichst eine Familie wünschen“, dazu aber keine Chance bekämen. „All diese Menschen abzustrafen, wäre der falsche Weg.“

Max Straubinger, sozialpolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe, hält die Sonderabgabe für Kinderlose ebenfalls für falsch, weil dadurch der Eindruck erweckt werde, dass sich die Kranken- und Pflegeversicherung „unwiderruflich auf einen Abgrund zubewegen“. Der Sozialstaat sei aber auch angesichts der demografischen Entwicklung finanzierbar. Nicht die Zahl der Kinder sei entscheidend, sagte Straubinger. Es komme vor allem darauf an, dass die Kinder von morgen produktive Arbeit hätten.

In der Pflegeversicherung zahlen Kinderlose schon heute einen höheren Beitrag als Eltern mit Kindern. Dazu hatte das Bundesverfassungsgericht die Politik in einem Urteil aus dem Jahr 2001 verpflichtet. Cordula Eubel

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite