Politik : Familienministerin ohne Elterngeld

Kristina Schröder nimmt 14 Wochen Babypause Abgeordnete dürfen nicht vorübergehend aussetzen

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Und tschüß. Kristina Schröder. Foto: dapd
Und tschüß. Kristina Schröder. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin – Seit ihrer überraschenden Ernennung zur Bundesfamilienministerin vor rund eineinhalb Jahren hat Kristina Schröder (CDU) peinlich darauf geachtet, möglichst wenig von ihrem Privatleben preiszugeben. Sie wolle niemandem ein Lebensmodell vorschreiben, begründete die heute 33-jährige Jungpolitikerin ihre Abneigung gegen Fragen zur Familienplanung oder zu den Kochkünsten ihres Ehemannes. Die eigene Kinderlosigkeit als beispielhaft hinzustellen, hätte einer Familienministerin ohnehin schlecht angestanden. Ihrer Amtsvorgängerin, der siebenfachen Vorzeigemutter Ursula von der Leyen (CDU), konnte die Soziologin aus Wiesbaden auf dem Feld der Symbolpolitik deshalb kaum Paroli bieten.

Seit sie im Januar publik machte, dass sie schwanger ist, muss die erste deutsche Bundesministerin, die in ihrer Amtszeit ein Kind bekommt, mit gesteigertem öffentlichen Interesse umgehen. Von dieser Woche an pausiert die Ressortchefin und lässt sich von einem Staatssekretär und von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) vertreten. Auf ihrem vorerst letzten öffentlichen Termin stellte sie vergangene Woche sinnigerweise die Broschüre „Ernährung in der Schwangerschaft vor“. Der Andrang von Kameraleuten, die den runden Bauch der Ministerin aufnehmen wollten, war riesig.

In ihrem letzten politischen Gefecht vor der Babypause hatte sich die Christdemokratin für das Elterngeld stark gemacht, das FDP-Generalsekretär Christian Lindner kürzlich für wirkungslos und überflüssig erklärt hat. „Eisenhart“ werde sie die Lohnersatzleistung für Mütter und Väter gegen Attacken verteidigen, kündigte sie vor wenigen Tagen an.

Die Politikerin selbst allerdings wird die von ihr gepriesene Leistung nicht in Anspruch nehmen, sondern lediglich während der gesetzlichen Mutterschutzfristen zu Hause bleiben, also sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin im Juli und acht Wochen danach. Praktischerweise ist im Sommer ohnehin Pause im parlamentarischen Betrieb.

Elternzeit stehe weder ihr selbst noch ihrem Mann zu, da sie beide Bundestagsabgeordnete seien, begründete die Soziologin die Entscheidung. Schröders Mann Ole, dessen Nachnamen sie nach der Heirat vergangenes Jahr annahm, ist parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium und ebenfalls CDU-Abgeordneter. Tatsächlich bestätigt auch die Bundestagsverwaltung, dass Schröder ihr Mandat zurückgeben müsste, wenn sie offiziell Elternzeit beantragen wollte. Eine vorübergehende Niederlegung des Mandats ist Abgeordneten nicht gestattet.

Die politische Karriere Schröders dürfte das Baby eher voranbringen: Außer Kabinettskollegin von der Leyen hat keine Ministerin in Merkels bürgerlichem Kabinett Kinder. Was in Deutschland ein Novum ist, haben andere EU- Länder längst hinter sich: Die spanische Verteidigungsministerin Carme Chacón und die französische Justizministerin Rachida Dati pausierten wegen ihrer Babys.

Ob Kristina Schröder plant, ihre politische Arbeit noch öfter wegen Schwangerschaften zu unterbrechen, ist nicht bekannt. Über private Vorhaben wolle sie ausschließlich mit ihrem Mann diskutieren, erklärte sie kürzlich gewohnt zurückhaltend. „Prinzipiell“ aber finde sie Familien mit drei oder mehr Kindern „toll“.

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