Familiennachzug für Flüchtlinge : Die C-Parteien ganz unchristlich

Das Nein zum Familiennachzug für Flüchtlinge ist staatlich organisierte Scheidung. Und das ausgerechnet von den C-Parteien, die sonst so gern die Familie preisen. Ein Kommentar.

Grenzen zerstören Familien - eine Einsicht, die bei den Jamaika-Sondierungen hart umkämpft ist.
Grenzen zerstören Familien - eine Einsicht, die bei den Jamaika-Sondierungen hart umkämpft ist.Foto: dpa

Will die Union jetzt auch noch das Letzte an christdemokratischem und christsozialem Gedankengut tilgen? Dabei muss das doch eigentlich ihre Politik leiten, mehr als stumpfer Konservativismus. Zumal CDU und CSU nie nur konservative Partei waren. Aber dieses Wissen scheint sie in den Jamaika-Runden verlassen zu haben, wie der unselige Streit um den Familiennachzug bei Flüchtlingen zeigt.

Da mauert besonders die Union, buchstäblich. Allerdings geht es nicht um Hunderttausende, nicht um weitläufige Verwandte, sondern um die aus der „Kernfamilie“. Es würden die zu denen kommen, die hier für sich selbst sorgen können. Experten reden von 60.000 bis 120.000. Das sollten jetzt zumal Parteien schaffen wollen, die Familienpolitik seit ewigen Zeiten für zentral erklären.

Drehen wir es mal um: Wer den Nachzug nicht will, erschwert Integration, die umso besser gelingt, wenn die Familie um einen ist. Nachzug zu verweigern ist, so gesehen, nichts anderes als staatlich organisierte Scheidung. Und das von der Christen-Union! CDU und CSU sollten vor dem Hintergrund von großen familienpolitischen Erklärungen absehen – eh nur Phrasen.

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