Film über Völkermord : Armenischer Staatspreis für Regisseur Eric Friedler

"Nie wieder", fordert Grünen-Chef Cem Özdemir in seiner Laudatio auf Eric Friedler. Der Regisseur wurde von der Regierung in Eriwan für seinen Film über den Völkermord an den Armeniern ausgezeichnet.

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Eric Friedler
Eric FriedlerFoto: Jens Kalaene/picture alliance/dpa

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir fühlt sich beim Vorgehen der syrischen Streitkräfte gegen die Zivilbevölkerung im syrischen Aleppo an den Völkermord an den Armeniern vor hundert Jahren im Osmanischen Reich erinnert. "Wenn wir dieser Tage die Berichte aus Aleppo sehen und hören, von den hungernden, ausgemergelten, fliehenden Menschen, dann ist es erschreckend, wie sehr diese Berichte an das Aleppo vor hundert Jahren erinnern", sagte Özdemir in seiner Laudatio auf Eric Friedler. Der Regisseur wurde am Mittwochabend in Berlin für seinen Film "Aghet" über den Völkermord 1915/16 mit dem Staatspreis der Republik Armenien ausgezeichnet.

Özdemir sagte weiter, es sei "furchtbar quälend zu erleben, wie passiv der Westen auf die Verbrechen in Aleppo reagiert". Er sprach von einem "ähnlichen Versagen der internationalen Gemeinschaft" wie schon in Srebrenica und Grosny. Das "Never again" nach den Völkermorden im 20. Jahrhundert müsse endlich Realität in der Politik des 21. Jahrhunderts werden.

Friedler hatte den Film "Aghet" - armenisch: Die Katastrophe - für die ARD gedreht, um so den "verdrängten Genozid" zu dokumentieren, bei dem bis zu 1,5 Millionen Armenier ums Leben kamen. Der Film wurde 2010 erstmals ausgestrahlt. Özdemir sagte, der Film sei ein "Meilenstein in der Aufarbeitung des Völkermords an den Armeniern". Für ihn sei Friedler ein "ganz zentraler Wegbereiter" auf dem Weg zu dem "historischen Beschluss" Anfang Juni, bei dem der Bundestag erstmals die Massaker an den Armeniern als Völkermord benannt hatte. Der Regisseur habe dabei auch klar die deutsche Mitschuld an diesem Völkermord aufgezeigt, lobte der Grünen-Chef.

Der Bundestag hatte vor einem halben Jahr die Resolution mit den Stimmen aller Fraktionen nach langen Debatten und trotz heftiger Proteste der Regierung in Ankara verabschiedet. In der Folge gab es vor allem gegen türkischstämmige Abgeordnete heftige Drohungen. Özdemir schilderte, dass auch er sowie seine Fraktion ähnlich wie viele andere im Parlament zunächst zögerlich gewesen sei und noch zum 90. Jahrestag eine Bewertung als Genozid bewusst vermieden habe. Man habe der Türkei die Chance geben wollen, "dieses schwierige Kapitel selbst und im eigenen Tempo aufzuarbeiten". Nun aber gelte: "Nur wenn wir die Geschichte umfassend aufarbeiten, können Wunden heilen."

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