Firma "Neger" in Mainz : Streit um Firmenlogo eskaliert

Drohanrufe, Hassmails, Nazi-Parolen – die Debatte um das umstrittene Logo der Handwerksfirma "Thomas Neger" in Mainz wird heftiger. Befürworter und Gegner werfen sich gegenseitig vor, Hetze zu betreiben. Ein Aktivist hat nun zu drastischen Selbstschutzmaßnahmen gegriffen und sich bewaffnet.

Martin Niewendick
Die Fronten sind verhärtet: Das umstrittene Firmenlogo.
Die Fronten sind verhärtet: Das umstrittene Firmenlogo.Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Der Ton wird zunehmend rauer im Streit um das Firmenlogo der Firma „Neger“ aus Mainz. Am vergangenen Dienstag brachten Unbekannte einen Nazi-Aufkleber vor der Haustür von David Häußer an. Der Blogger und Musiker ist aktiv in der Initiative „Das Logo muss weg“ und den Logo-Befürwortern ein Dorn im Auge. Auf dem Aufkleber der nun vor seiner Tür hängt, ist eine vermummte Person mit einer Steinschleuder zwischen zwei schwarz-weiß-roten Wappen zusehen. Dazu die Parole: „Good Night Left Side“. Eine eindeutige Ansage.

In dem Streit, der es inzwischen sogar in die Washington Post geschafft hat, geht es um das Logo des Handwerksbetriebs Thomas Neger. Gründer der Firma ist der Schlagersänger Ernst Neger. Er hatte das Logo vor 60 Jahren entworfen. Es zeigt einen Menschen mit dicken Lippen und großen Ringen in den Ohren. Darunter prangt ein Dreieck, das die einen als Hausdach, die anderen als Rock interpretieren. Kritiker sehen darin ein rassistisches Überbleibsel aus kolonialen Zeiten und fordern die Firma auf, das Logo zu ändern. Firmenchef Thomas Neger lehnt ab. Seine Unterstützer sprechen von einer Hetzkampagne.

David Häußer hat sich inzwischen mit Pfefferspray und Schlagstock bewaffnet. „Mitten in der Nacht kommen Drohanrufe“, sagt er dem Tagesspiegel. „Die unterdrücken nicht mal ihre Telefonnummer.“ Auch per Email werde er immer wieder bedroht. Vor kurzem sendete ihm jemand eine Strophe aus Heinrich Heines „Gedanken und Einfälle“ zu. In der Passage heißt es unter anderem: „(…) wenn der liebe Gott mich ganz glücklich machen will, läßt er mich die Freude erleben, daß an diesen Bäumen etwa sechs bis sieben meiner Feinde aufgehängt werden. (…) Ja, man muß seinen Feinden verziehen, aber nicht früher, als bis sie gehenkt worden.“ Unterschrieben wurde die Nachricht mit „Fahren Sie zur Hölle, linksextremer Gutmensch ! Deutschland erwache !“

„Ich habe ihm die Facebook-Sturmhaube abgezogen“

Einer der umtriebigsten Logo-Unterstützer ist Felix Leidecker, Chef der Jungen Union Mainz und damit Parteifreund von Thomas Neger, der für die CDU im Stadtrat sitzt. Leidecker hatte vor einiger Zeit die privat-Adresse Häußers auf Facebook veröffentlicht. Häußer vermutet darin einen Zusammenhang mit dem Nazi-Aufkleber vor seiner Tür. In zahlreichen Posts, Tweets und Kommentaren bezieht Leidecker Position gegen die Logo-Gegner, auch gegen David Häußer. „Bedrohungen finden auf beiden Seiten statt“, sagt Leidecker dem Tagesspiegel. Auch er bekomme unzählige Drohmails.

Die Sorge wegen des Nazi-Aufklebers kann er nicht nachvollziehen. „In meiner Gegend gibt es hundert Antifa-Aufkleber, da fühle ich mich auch nicht bedroht!“ Zudem verweist er auf eine Aufkleber-Aktion, die Firmenchef Thomas Neger als Rassisten brandmarkt. Die Adresse von David Häußer habe er veröffentlicht, da dieser über sein Internet-Magazin und auf Facebook gegen die Logo-Unterstützer hetze, aber keine Redaktionsadresse angegeben habe. „Ich habe ihm die Facebook-Sturmhaube abgezogen“, sagt Leidecker. Gewalt lehne er grundsätzlich ab. Häußer hat inzwischen Anzeige erstattet.

Der Streit kocht seit einigen Jahren immer wieder hoch. Ein derartiges Medienecho wie in diesem Frühling dürften die Mainzerinnen und Mainzer allerdings noch nicht erlebt haben. Gegner wie Befürworter werden mit Interview-Anfragen überschwemmt. Den Logo-Gegnern ist wichtig, dass ihr Engagement nicht als Hetzkampagne verstanden wird. „Wir möchten nicht die CDU diffamieren“, schreiben einige schwarze Aktivistinnen von der Initiative „Das Logo muss weg“: „Unser Ziel ist es auf ein Beispiel von gegenwärtigen Alltagsrassismen aufmerksam zu machen, sodass Menschen die Möglichkeit haben, diese zu hinterfragen.“ Bis der Streit beigelegt ist, wird wohl noch viel Wasser den Rhein runter fließen.

 

 

 

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