Flüchtlinge in Deutschland : Viele muslimische Migranten sind antisemitisch

Deutschland muss seine Werte verteidigen. Zur Integration der Migranten gehört die Bekämpfung des Antisemitismus. Vor der neuen Quelle des Judenhasses darf keiner die Augen verschließen. Ein Gastbeitrag.

Rabbiner Abraham Cooper
Hart am Rand: Al-Quds-Demonstranten in Berlin.
Hart am Rand: Al-Quds-Demonstranten in Berlin.Foto: AFP

Deutschland hat die Bedeutung der Aufgabe erkannt, mehr als eine Million überwiegend muslimischer Migranten zu integrieren. Berlin wird dafür etwa 50 Milliarden Euro bereitstellen. Aber Kanzlerin Angela Merkel ist nicht nur finanziell herausgefordert. Sie setzt darauf, dass die Zuzügler die demokratischen Werte der deutschen Gesellschaft annehmen; dass Einwanderern Respekt für andere Religionen und Nicht-Gläubige gelehrt werden kann; dass Frauen respektiert und nicht Opfer von Sexualdelikten werden.

Diese Probleme werden EU-weit diskutiert, während migrationsfeindliche Parteien an Wählern gewinnen. Viele sind skeptisch, dass ihre Gesellschaften mit der Vielzahl an unterschiedlichsten Weltanschauungen klar kommen. Das Simon Wiesenthal Center wird in Berlin an diesem Dienstag eine weitere Sorge ansprechen: Was wird getan, um extreme antiisraelische und antijüdische Vorurteile zu bekämpfen, die in den arabischen Gesellschaften vorherrschen und die viele der Migranten mitbringen?

Nichtstun führt zur Katastrophe. Frankreich tat so gut wie nichts bis der Antisemitismus junger Muslime außer Kontrolle geriet. Bis der Hass der Worte in Verbrechen umschlug. In England biederte sich der Antisemitismus von Politikern den muslimischen Wählern der Labour Party an. In Schweden wurden Hunderte antisemitischer Vorfälle aus der muslimischen Gemeinde Malmös nicht geahndet. In Amsterdam scheinen die Lehren des Anne-Frank-Hauses vergessen. Online-Hass, extremistische Imame und soziale Kälte sind der Nährboden einer fanatisierten Jugend. In Frankreich, Belgien und Dänemark gab es terroristische Morde an unschuldigen Juden. Die Gefahr einer Wiederholung hängt über ganz Europa.

Trotz der blutigen Warnungen erkennt Europa kaum, dass zur Integration der Migranten die Bekämpfung des Antisemitismus gehört. Laut einer Umfrage des Pew- Instituts hegen 90 Prozent der Bevölkerung der muslimischen Länder mitunter antisemitische Vorurteile, sowie gegenüber Frauen und Homosexuellen.

Schon vor 2015 gab es antisemitische Pogrom-Gesänge in den Straßen Berlins

Deutschland und die Juden stehen in einem besonderen Verhältnis. Das demokratische Nachkriegsdeutschland hat die historische Verantwortung der Deutschen für den Völkermord an den Juden weitgehend anerkannt und viel dafür getan, jüdisches Leben zu fördern. Mehr als 120 000 Juden leben heute hier und es gibt zahlreiche Synagogen und jüdische Einrichtungen. Die deutsche Verfassung schützt Juden und andere Minderheiten vor Diskriminierung. All dies wird gefährdet, wenn man vor der neuen Quelle des Judenhasses die Augen verschließt.

In deutschen Asylheimen wurden antisemitische Graffitis und Karten Israels in den Farben der palästinensischen Flagge gesehen. Schon vor 2015 gab es antisemitische Pogrom-Gesänge in den Straßen Berlins während des letzten Gaza-Krieges. Frankfurts Juden verließen einen interreligiösen Rat, weil die anti-israelischen Äußerungen einiger Imame nicht verurteilt wurden.

In Wuppertal war die 2000-köpfige jüdische Gemeinde bestürzt, als ein Gericht nur eine Bewährungsstrafe für einen Brandanschlag auf die örtliche Synagoge aussprach. Der jüngste Vorfall kommt aus Bremen, einem Zentrum der antisemitischen Boykott-Bewegung. Die Evangelische Kirche weigerte sich gegen Pastor Volker Keller vorzugehen, dessen Initiative vor Kaufhäusern zum Boykott israelischer Produkte aufrief. Bestürzt hat uns auch das jüngste Verhalten Deutschlands in der WHO, als einzig Israel Gegenstand von Kritik war.

Merkels neues Integrationsgesetz könnte etwas bewirken, weil es Strafen für versäumte Sprach- und Integrationskurse ausspricht. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn begrüßt das Gesetz, da Migranten aus Ländern kämen, in denen es große kulturelle Unterschiede gibt, wenn es um Trennung von Staat und Religion, die Gleichstellung der Frau und Einstellungen gegenüber Juden gehe. Man kann nur hoffen, das Deutschland das schafft, was Frankreich, Belgien und Skandinavien bisher nicht geschafft haben. Die Zukunft der europäischen Demokratien, der westlichen Werte und der Juden Europas steht auf dem Spiel.

Der Autor ist Ko-Vorsitzender des Simon Wiesenthal Zentrums. Aus dem Englischen übersetzt von Michael Spaney, Mideast Freedom Forum Berlin.

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