Regierung in Kiew für Putin nicht legitim

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Fragestunde im Staatsfernsehen : Putin und die Ukraine: "Auf der Krim standen auch unsere Truppen"
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Präsident im Fokus: Putin stellt sich der traditionellen Fragestunde "Direkter Draht" bereits zum zwölften Mal.
Präsident im Fokus: Putin stellt sich der traditionellen Fragestunde "Direkter Draht" bereits zum zwölften Mal.Foto: dpa

11.43: "Wir halten die Regierung in Kiew weiterhin für nicht legitim", stellt Putin auf eine entsprechende Frage klar. Trotzdem würden Gespräche mit den Vertretern des Regimes geführt, um die Krise beizulegen. Es sei aber sehr schwierig, die für Mai angesetzten Präsidentschaftswahlen ernst zu nehmen. "Denn was sollen das für Präsidentschaftswahlen sein, wenn Kandidaten aus dem Osten geschlagen und verfolgt werden? Und wie kann überhaupt eine Präsidentschaftwahl stattfinden, solange es noch einen aktiven Präsidenten gibt?" Um die Wahlen zu legitimieren, sagt Putin, müsse erst einmal die ukrainische Verfassung geändert werden - und dabei müsste auch gleich die Föderalisierung des Landes eingeleitet werden.

11.29: Per Video-Botschaft fragt ein junger Mann aus St. Petersburg: "Wer sät diese Mythen über die russische Aggression in der Ukraine, wer hat ein Interesse daran, uns von der Ukraine und von Europa zu entzweien?" Ach, sagt Putin mit müder Stimme, diese Art von Desinformation sei ein ganz altes Mittel der Politik, ihn überrasche das nicht. Auf die Frage, wer dahinter stehe, weist er unverhohlen Richtung Westen. "Sehen Sie sich an, wie sie Jugoslawien in kleine Stücke zerlegt haben. Das gleiche haben sie offenbar mit uns vor."

Warnungen auch an Chisinau

11.23:Und gleich noch eine zweite geopolitische Warnbotschaft hinterher: Auf eine Frage zur abtrünnigen moldawischen Teilrepublik Transnistrien antwortet Putin, die Menschen dort seien nun einmal stark prorussisch eingestellt, und Russland werde alles dafür tun, dass ihnen die Möglichkeit gegeben werde, selbst über ihr Schicksal zu entscheiden. In Kiew und in Chisinau dürften gerade ziemlich laut die Alarmglocken klingeln.

11.20: Eine russische Journalistin kritisiert relativ offen Putins Ukraine-Politik, sie fordert den Präsidenten auf, Russlands Einmischung zu beenden und den Ausgang der ukrainischen Präsidentschaftswahlen im Mai anzuerkennen. Putin antwortet scharf, es sei Sache der russischen und russischsprachigen Bevölkerung in der Süd- und Ostukraine, selbst zu entscheiden, ob sie die Präsidentschaftswahlen anerkennen werde. In einem Nebensatz bemerkt er, die südöstlichen Teile des Nachbarlandes seien zu zaristischer Zeit Teil des Russischen Reichs gewesen, nicht Teil der Ukraine. Warum sie es später geworden seien - "der Teufel weiß es."

Eine ältere Frau verfolgt die Fragestunde mit Präsident Putin im Fernsehen.
Eine ältere Frau verfolgt die Fragestunde mit Präsident Putin im Fernsehen.Foto: AFP

11.06: Ein Journalist, der an einer Moskauer Universität Journalismus lehrt, beklagt sich darüber, dass es unter seinen jungen Studenten nicht mehr modisch sei, sein Land zu lieben. "Sie denken, ein Patriot ist ein Idiot." Putin erklärt zunächst freudig, dass die Krim-Krise "das Land vereinigt hat", dass sie eine große Welle des Patriotismus ausgelöst hat. Was die Beobachtung des Journalisten unter seinen unpatriotischen Studenten angeht, sagt er: "Wenn Sie als Journalist das ärgert, dann ist das schon mal gut." In der Bildung, in den Schulen, in den Universitäten, fährt er fort, müsse wohl noch mehr zur Förderung der Landesliebe getan werden.

Berkut-Offizier mit Tränen in den Augen

10.50: Ein Offizier der ukrainischen Spezialeinheit Berkut ist im Studio und schildert den Einsatz auf dem Maidan. Er erklärt, dass den Einsatzkräften nicht gestattet wurde, Gewalt anzuwenden, während ihnen gleichzeitig Gewalt von den Demonstranten angetan wurde. Dann fragt er Putin mit bebender Stimme: "Sie kennen doch unseren ehemaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch schon länger. War er immer schon ein so feiger Verräter?" Putin nimmt Janukowitsch nur schwach in Schutz. Er erklärt, in seinen Gesprächen mit dem geflohenen Präsidenten habe dieser zu ihm gesagt: "Meine Hand hat sich einfach geweigert, den Befehl zum Einsatz von Gewalt zu unterschreiben." Dann lobt Putin den Berkut-Offizier für die Standhaftigkeit seiner Spezialeinheit beim "äußerst schwierigen" Maidan-Einsatz. Die Kamera zoomt auf das Gesicht des Mannes, er hat Tränen in den Augen.

10.41: Ende der Live-Schalte aus Sewastopol, zurück ins Studio, aber das Gespräch dreht sich weiter um die Krim. Die Moderatorin liest eine per Mail eingereichte Frage vor: "Wer waren die 'höflichen grünen Männchen'?" Gemeint sind die anonymen Einsatzkräfte, die auf der Krim das ukrainische Militär ausschalteten. Zuvor hatte Putin behauptet, es handle sich bei ihnen nicht um russische Truppen, die entsprechenden Uniformen könne sich jeder kaufen. Jetzt räumt der Präsident überraschend ein: "Ja, natürlich standen dort auch unsere Truppen." Die Lage auf der Krim habe ihren Einsatz notwendig gemacht.

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