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Franziskus gegen Opus Dei : Papst schmeißt Bischof in Paraguay raus

Papst Franziskus bleibt seinem Ruf treu und räumt in der katholischen Kirche auf. Jetzt hat es einen Bischof in Paraguay getroffen. Der hatte einen Kollegen öffentlich als homosexuell bezeichnet.

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Papst Franziskus gibt "seelsorgerische Gründe" für sein Vorgehen an.
Papst Franziskus gibt "seelsorgerische Gründe" für sein Vorgehen an.Foto: dpa

Papst Franziskus setzt seinen harten Kurs gegen Pädophilie und deren Vertuschung in der katholischen Kirche fort. Einen Tag nach der "auf ausdrücklichen Willen des Papstes" erfolgten Verhaftung des früheren vatikanischen Botschafters in Santo Domingo, Jozef Wesolowski, teilte der Vatikan am Donnerstag die Entlassung eines belasteten Bischofs in Paraguay mit. 

Fälle dieser Art wurden vom Vatikan bisher sehr diskret geregelt; vor allem neigte die Kirchenleitung dann zum Mauern, wenn Bischöfe in den Fokus von Medien gerieten. Wenn ein Bischof nicht mehr tragbar war, teilte Rom höchstens mit, der fragliche Oberhirte sei "nach Canon (Paragraph) 401,2 des Kirchenrechts zurückgetreten" – das heißt, er war gesundheitlich  "oder aus einem anderen schwerwiegenden Grund" nicht mehr fähig, sein Amt auszuüben.

Franziskus bricht diese Kultur diplomatischen Verschweigens auf. Der Vatikan teilte am Donnerstag ohne Umschweife mit, der Bischof von Ciudad del Este, Rogelio Ricardo Livieres Plano (69), sei "aus einer Reihe von seelsorgerlichen Gründen" und "für das Wohl und die Einheit" der Ortskirche abgelöst worden.

Dahinter stecken schwere kirchliche Verwerfungen in der zweitgrößten Stadt Paraguays; sie erinnern an die Affären in niederösterreichischen Diözese Sankt Pölten unter Bischof Kurt Krenn (1991-2004). Während die Traditionalisten den zum erzkonservativen "Opus Dei" gehörigen Bischof Livieres Plano dafür feiern, dass er die Kirche "neu zum Blühen gebracht", sowie die Zahl der "Berufungen" und der Neupriester in Ciudad del Este enorm vermehrt habe, kritisieren seine Gegner, der Preis dafür sei zu hoch gewesen: Ciudad del Este habe ein Netz von Pädophilen kultiviert.

400.000 Dollar Strafe wegen für Körperverletzung

Die Angriffe richten sich vor allem gegen einen argentinischen Priester namens Carlos Urrutigoity. Er war aus den USA zugewandert, und Bischof Livieres Plano hatte ihn zum "Zweiten Mann" in der Diözese, zum Generalvikar, erhoben – obwohl ihn nordamerikanische Amtskollegen ausdrücklich gewarnt hatten: Urrutigoity sei "eine ernste Bedrohung für junge Männer". Er war in den Vereinigten Staaten des sexuellen Missbrauchs junger Seminaristen überführt worden; die Diözese Scranton in Pennsylvania hatte bereits 400.000 Dollar für Körperverletzung gezahlt.

Mit den Vorwürfen konfrontiert, zeigte sich Livieres Plano alles andere als einsichtig. Im Gegenteil: er holte zum Schlag gegen seinen vorgesetzten Erzbischof in Asuncion aus, den er der "praktizierten Homosexualität" zieh und von dem er den Ausschluss aus der Kirche forderte. Auch erklärte Livieres Plano, Urritigoity sei ihm "ausdrücklich" von hochrangigen Vatikanklerikern empfohlen worden, unter anderem vom damaligen Kardinal Joseph Ratzinger.

Papst Franziskus seinerseits hatte im Sommer diesen Jahres einen amtlichen Inspekteur nach Ciudad del Est geschickt. Der keineswegs als progressiv verdächtige Kurienkardinal und Vatikandiplomat Santos Abril y Castello sollte die Vorwürfe prüfen – und dieser traf damals schon eine ungewöhnlich harte Anordnung: Livieres Plano durfte keine Priester mehr weihen. Urrutigoity seinerseits hatte das Amt des Generalvikars kurz vor Eintreffen des "Apostolischen Visitators" auf Druck aus Rom geräumt.

Im Streit um Livieres Plano hatte sich die Diözese Ciudad del Est gespalten; das erklärt auch, warum der Vatikan nun die Gläubigen so eindringlich bittet, die "bedrückende" Entlassung des Bischofs "im Geist des Gehorsams" anzunehmen.

Zum Fall des am Dienstag im Vatikan verhafteten früheren Erzbischofs Wesolowski wurde unterdessen auch bekannt, der frühere Botschafter des Papstes in der Dominikanischen Republik sei im Besitz kinderpornographischen Materials gewesen und habe eine Flucht vor der Justiz erwogen. In der Hauptsache wird Wesolowski der Prostitution mit Minderjährigen beschuldigt; bereits im Juni war er aus dem Priesterstand entlassen worden, mit der  formellen Eröffnung der Anklage hat nun auch das vatikanische Strafverfahren gegen den 66-jährigen Polen begonnen.

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