Politik : „Frauen zahlen zuverlässiger zurück“

KfW-Vorstandssprecherin Ingrid Matthäus-Maier über die Unterstützung von Mikrokreditprojekten

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Vor allem Frauen haben der Idee von Friedensnobelpreisträger Mohammad Yunus, Mikrokredite an Arme zu vergeben, zum Durchbruch verholfen haben. Warum sind Kleinkredite bei Frauen besser aufgehoben als bei Männern?

Ganz einfach: Frauen haben sich als die besseren Kreditnehmer gezeigt, ob auf dem Balkan, in Afrika oder in Asien. Mit Mikrokrediten von oft nicht mehr als 20 oder 50 Euro können sie eine Nähmaschine kaufen und durch Schneidern Geld verdienen. Oder sie kaufen zwei Hühner und verkaufen die Eier. Die Erfahrung zeigt, dass Frauen diese Kredite zuverlässig zurückzahlen. Mehr als zwei Drittel aller 150 Millionen Kunden, die derzeit weltweit einen Mikrokredit haben, sind Frauen. Die durchschnittliche Rückzahlungsquote liegt bei etwa 97 Prozent. Ein großartiger Erfolg, der auf ihr umsichtiges Verhalten zurückzuführen ist.

Immer noch fehlt 2,5 Milliarden Menschen, davon zwei Drittel Frauen, der Zugang zu Bankdienstleistungen. Warum?

Der Finanzmarkt ist in vielen Ländern nicht weit entwickelt, so dass gerade in der Fläche kaum Zugang zu Krediten besteht. Banken sehen kleine Leute zu oft nicht als ihre Kunden: Sie gelten als nicht kreditwürdig, sich mit ihnen zu befassen, ist angeblich zu kostenintensiv. Hier sind flexible Lösungen gefragt. Als KfW-Entwicklungsbank arbeiten wir mit mehreren Ansätzen: Mit neu gegründeten Mikrofinanzinstitutionen oder auch Geschäftsbanken versuchen wir, künftig noch mehr Menschen und insbesondere Frauen die Möglichkeit zu geben, durch Kredite in die Selbstständigkeit zu gelangen.

Die KfW verbrieft jetzt auch Kleinkredite. Was heißt das? Wo liegen die Vorteile?

Das Verbriefen von Krediten ist nichts anderes als der Verkauf von Risiken am Kapitalmarkt. Derartige Finanzierungen über den Kapitalmarkt sind mittelfristig ein bedeutender Weg, den Zugang zur breiten Finanzierung in Entwicklungsländern möglich zu machen. Im vergangenen Jahr haben wir eine solche Verbriefung gemeinsam mit BRAC, einer Mikrofinanzorganisation in Bangladesch, mit der niederländischen Entwicklungsinstitution FMO und mit der Citibank am Kapitalmarkt in Bangladesch platziert. Insgesamt werden durch diese Verbriefung ungerechnet rund 140 Millionen Euro für neue Kredite zur Verfügung stehen. Wir bereiten weitere Verbriefungen vor. Dabei ergänzen wir die Mittel des Entwicklungshilfeministeriums durch eigene Mittel, um noch mehr privates Kapital zu hebeln.

Wie lange dauert es, Mikrobanken auf eine nachhaltige Basis zu stellen?

Die Anzahl von Mikrobanken wächst fast täglich durch Neugründungen oder durch Lizenzierung bestehender Institutionen. Es gibt große Player wie die ProCredit Bank, die mittlerweile in Afrika, Lateinamerika und Osteuropa rund 2,6 Millionen Kunden betreut. Die KfW-Entwicklungsbank hat derzeit ein Mikrofinanzportfolio von über 580 Millionen Euro und ist damit international führend. Wir verfolgen zwei Ziele: Mehr Menschen sollen die Möglichkeit bekommen, für ihren Lebensunterhalt selbst aufzukommen. Gleichzeitig wollen wir die Partnerländer dabei unterstützen, ihr eigenes Finanzsystem zu entwickeln.

Private Großbanken dürften wenig Interesse an Beteiligung haben. Sie schielen auf mindestens 15 Prozent Rendite.

Selbstverständlich brauchen Investoren eine Rendite. Risiko und Ertrag müssen in einem angemessenen Verhältnis stehen. Die KfW hat dabei die entwicklungspolitische Wirkung im Auge, auch die langfristige. Es ist eine Win-win-Situation. Fonds wie der südosteuropäische EFSE zeigen, wie der enorme Bedarf nach langfristigen, kostengerechten und nachhaltigen Finanzierungen von Mikro- und Kleinstunternehmen gedeckt werden kann. Allein mit öffentlichen Mitteln geht das nicht. Deshalb ist es wichtig, dass sich auch private Investoren an solchen Fonds beteiligen.

Ingrid Matthäus- Maier (61) ist seit Oktober 2006 Vorstandssprecherin der KfW Bankengruppe. Für die FDP und die SPD saß sie im Bundestag.

Das Interview führte Rolf Obertreis.

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