Freiwilliger Wehrdienst : Junge Leute meiden die Bundeswehr

Die Bundeswehr ist für immer weniger junge Leute attraktiv. Im laufenden Quartal traten nur 615 ihren freiwilligen Wehrdienst an - so wenige wie nie zuvor.

Sarah Kramer

Deutschlands Jugend hat offenbar keine große Lust auf die Bundeswehr. Wie das Verteidigungsministerium am Freitag auf Anfrage bestätigte, traten im laufenden Quartal nur 615 Freiwillige ihren Wehrdienst an – das sind 60 Prozent weniger als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Und so wenige wie nie zuvor. Im April 2012 hatten sich noch 1460 Freiwillige gemeldet.
Von denen, die sich für den freiwilligen Wehrdienst entscheiden, steigen bis zu 30 Prozent während der sechsmonatigen Probezeit wieder aus. 25 Prozent scheiden dabei auf eigenen Wunsch aus. Fünf Prozent sortieren die Streitkräfte wegen mangelnder Fitness, gesundheitlichen Einschränkungen oder fehlender Leistung aus.

Von Nachwuchsmangel will man im Ministerium dennoch nicht sprechen. Derzeit leisteten 8700 Freiwillige Dienst bei der Bundeswehr. Das seien 3700 mehr, als in der neuen Struktur der Streitkräfte vorgesehen seien, sagte ein Ministeriumssprecher dem Tagesspiegel. 20000 junge Frauen und Männer hätten sich 2012 für den freiwilligen Wehrdienst beworben, 9800 von ihnen seien eingestellt worden.Dennoch versucht die Bundeswehr mithilfe einer freiwilligen schriftlichen Befragung zu klären, warum ihr so viele Rekruten schon nach kurzer Zeit den Rücken kehren. "Wir sind schon daran interessiert herauszufinden, ob die Abbrecherquote aus uns zurückzuführen ist oder auf Dinge, die wir nicht beeinflussen können", sagte der Ministeriumssprecher.

In der jüngsten Umfrage, die sich mit den Gründen des Ausscheidens befasst enthält die Antworten von 1000 Rekruten, die zwischen Oktober 2011 und März 2013 die Bundeswehr nach Ablauf der Probezeit verlassen haben. 58 Prozent von ihnen hatten demnach ein besseres Angebot in der freien Wirtschaft, 36 Prozent nannten familiäre Gründe für ihr Ausscheiden. Zahlreiche Rekruten kritisierten außerdem die zum Teil großen Distanzen, die Bundeswehrangehörige überwinden müssen, um vom Wohnort zum Arbeitsplatz zu gelangen.

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