Fremdenhass in Sachsen : Freital will von "Nazi-Szene" in der Stadt nichts wissen

Eine nennenswerte Neonazi-Szene in Freital? Sieht die Stadtverwaltung nicht. Und erteilte deshalb dem Verein "Laut gegen Nazis" eine Absage.

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Anti-Asyl-Kundgebung Ende Juni 2015 vor der Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Leonardo-Hotel in Freital
Anti-Asyl-Kundgebung Ende Juni 2015 vor der Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Leonardo-Hotel in FreitalFoto: Oliver Killig/dpa

In sieben Städten will der Verein "Laut gegen Nazis" mit einer Counter-Speech-Tournee gegen den Hass auf der Straße und im Netz demonstrieren. Beginnend am 27. April in Passau sind Konzerte in der ganzen Republik geplant. Zu den Tourstädten gehören auch Düsseldorf, Münster, Bad Fallingbostel, Wismar und Flensburg. Ausgerechnet die Stadt Freital bei Dresden, die im vergangenen Sommer wegen wochenlanger Anti-Asyl-Proteste in die Schlagzeilen geraten war, verweigert dem Projekt ihre Unterstützung. Dort soll die Counter-Speech-Tour am 2. Mai Station machen.

Helmut Weichlein, juristischer Referent des Freitaler Oberbürgermeisters Uwe Rumberg (CDU), schrieb dem Verein "Laut gegen Nazis": "In gewissen Kreisen scheint es beliebt zu sein, Freital als Codewort für rechtsextrem zu benutzen." Er unterstellte dem Verein, sein Interesse an der Stadt beruhe nur auf einer sehr negativen Berichterstattung über Freital im vergangenen Sommer, die die Stadt als "stark verzerrend und stigmatisierend sowie - insbesondere im bundesdeutschen Kontext - ungerecht empfunden" habe.

"In Freital herrscht ein friedliches Klima, wo in vielfältigen Initiativen und auf vielerlei Ebenen zu den Themen Flüchtlinge sowie politischer Extremismus gearbeitet wird", versicherte Weichlein in seinem Brief, den "Laut gegen Nazis" auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte. Auf die von Rechtsextremisten gesteuerte Bürgerwehr FTL/360 ging der juristische Referent nicht ein. Er schrieb, die geplante Veranstaltung würde nicht nur zu einer Aufheizung der öffentlichen Debatte führen, "sondern das leider überregional bei manchen eingebürgerte Klischee, gerade in Freital gäbe es eine nennenswerte (Neo)Nazi-Szene, bestätigen".

Abgesagt wird die Veranstaltung in Freital trotz der fehlenden Unterstützung der Stadtverwaltung nicht. Die Demokratiemeile, auf der sich Sachsens Bündnisse für Demokratie vorstellen, sowie das Konzert mit der Sängerin Leslie Clio, der syrischen Band Khebez Dawle, die Dresdner Banda Internationale unter Smudo von den Fantastischen Vier soll auf dem Privatgelände der Technischen Werkstatt Freital stattfinden.

"Laut gegen Nazis" engagiert sich seit mehr als zehn Jahren gegen Rechtsextremismus, wird dabei von Beginn an von populären Künstlern unterstützt. Gefördert wurden laut Selbstdarstellung auf der Homepage des Vereins unter anderem Pro Asyl, Opferberatungsstellen, Aktionsbündnisse oder auch das von Rechtsextremisten bedrohte Ehepaar Lohmeyer im mecklenburgischen Ort Jamel.

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