G20-Gipfel in Hamburg : Polizei weist Vorwürfe nach „Welcome to Hell“-Demo zurück

Autonome Gipfelgegner werfen bei der Demonstration „Welcome to Hell“ Flaschen und Steine. Die Polizei setzt Wasserwerfer ein, beendet den Aufzug. Es gibt viele Verletzte. Wie kam es zu der Eskalation? Die Polizei wehrt sich gegen Vorwürfe.

Demonstranten protestieren umringt von Polizisten bei der Demonstration "G20 Welcome to hell" am Donnerstag in Hamburg gegen den G20-Gipfel.
Demonstranten protestieren umringt von Polizisten bei der Demonstration "G20 Welcome to hell" am Donnerstag in Hamburg gegen den...Foto: dpa

Die Polizei Hamburg hat die Kritik, sie sei bei der „Welcome to Hell“-Demo mit übertriebener Härte vorgegangen, zurückgewiesen. Polizeisprecher Timo Zill sprach am Freitagmorgen im Deutschlandfunk von einer drohenden „unbeherrschbaren Sicherheitssituation“. Laut Polizeibericht hatten sich am Donnerstag zwei schwarze Blöcke aus jeweils 1000 Teilnehmern gebildet, die sich bereits unmittelbar nach Beginn vermummt hätten. „Viele trugen Rucksäcke mit der entsprechenden Wechselkleidung bei sich“, hieß es. Die Beamten stoppten den Aufzug daraufhin und forderten, die Vermummung wieder abzulegen.

Zill sprach von 3500 Extremisten vor Ort, die zuvor schwerste Gewalttaten angekündigt hätten. Wenn diese Menschen sich plötzlich vermummten, sei das sozusagen die Vorbereitung von Straftaten. „Dann kann doch nicht von der Polizei erwartet werden, dass man mit diesen Menschen in bewohntes Gebiet geht. Das wäre unverantwortlich“, sagte er. Zill bezeichnete das Vorgehen als „alternativlos“. Laut Polizei versuchten die Beamten ebenso wie der Anmelder der Kundgebung bis zu 45 Minuten vergeblich zu erreichen, dass die Vermummung wieder abgelegt wird. Daraufhin sei beschlossen worden, diesen Teil von den friedlich Demonstrierenden zu trennen, damit der Protestzug weiterlaufen könne. Daraufhin habe der schwarze Block die Polizeikräfte massiv mit Steinen und Flaschen beworfen und mit Stangen angegriffen, teilte die Polizei mit.

„Das ist schon sehr erschreckend“

Einige Gewalttäter hätten eine Flutschutzmauer erklommen und den Bewurf von oben auf die Polizeibeamten unvermindert fortgesetzt. „Überrascht sind wir natürlich von den Gewaltexzessen, die uns hier offenbar geworden sind“, sagte Polizeisprecher Ulf Wundrack der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist schon sehr erschreckend.“ Nach bisheriger Einschätzung der Polizei wurden mehr als 110 Beamte verletzt. „Darunter waren auch Schwerverletzte, die im Krankenhaus behandelt werden mussten“, sagte Polizeisprecher Ulf Wundrack der Deutschen Presse-Agentur. Die beendete den Aufzug. Die Beamten mussten nach eigenen Angaben Wasserwerfer, Pfefferspray und Schlagstöcke einsetzen. Zahlen verletzter Demonstrationsteilnehmer liegen der Polizei nicht vor.

Die Polizei verzeichnete 29 Festnahmen und 15 Ingewahrsamnahmen. „Wir haben erhebliche Sachschäden zu beklagen“, berichtete Wundrack weiter. Eine Summe könne aber noch gar nicht beziffert werden. Aber man habe natürlich mit Störaktionen gerechnet. „Deswegen waren wir auch entsprechend personell aufgestellt und haben uns positioniert“, erklärte Wundrack. Die Polizei habe von Anfang an klar gemacht, dass sie es friedlichen Teilnehmern ermöglichen wolle, ihr Demonstrationsrecht auszuüben. „Wir haben aber auch deutlich gemacht, wenn es zu Störungen kommen sollte, Straftaten aus einer Versammlung begangen werden, dass wir konsequent einschreiten“, betonte Wundrack. „Diese Linie werden wir auch weiterhin verfolgen.“ (dpa)

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