Gauck über Trump : "Dann ist die Welt, wie wir sie kennen, bedroht“

Bei einer Feierstunde des BDI warnt der Bundespräsident vor einem Rückzug „ins nationale Schneckenhaus“ und fordert die Wirtschaft zum Kampf für offene Grenzen und freien Handel auf.

Bundespräsident Joachim Gauck
Bundespräsident Joachim GauckFoto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Unter dem Eindruck der Politik von US-Präsident Donald Trump hat der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft aufgefordert, für offene Grenzen und freien Handel zu kämpfen. „Mit dem Amtsantritt des neuen amerikanischen Präsidenten steht zu befürchten, dass gerade jenes Land, das den wichtigsten Absatzmarkt für deutsche Exporte darstellt, sich von den Prinzipien des Freihandels entfernen könnte“, sagte Gauck laut Redemanuskript am Dienstagabend bei einer Feierstunde zum Führungswechsel beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in Berlin.

„Wird die Freiheit des Handels eingeschränkt, dann steht auch unser Wohlstand in Frage“. Würden neue Mauern errichtet statt alte zu schleifen, zögen sich Gesellschaften, die von Technologie, Innovation und Austausch „in unvorstellbarem Maße" profitiert haben, „ins nationale Schneckenhaus“ zurück, statt die Zusammenarbeit zum Wohle aller zu suchen, sagte Gauck. „Dann ist die Welt, wie wir sie kennen und wie wir sie schätzen, bedroht. Lassen Sie uns diesen Kräften der Abschottung entschlossen und gemeinsam gegenübertreten.“

„Die Globalisierung ,zurückzuschrauben’, hätte verheerende Auswirkungen"

Mit Blick auf die Wirtschaft warnte der Bundespräsident: „Protektionistische Maßnahmen mögen auf kurze Sicht manchmal durchaus positive Effekte auf eine Volkswirtschaft haben. Ihre langfristigen Folgen jedoch sind negativ. Oder wie es der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Samuelson formuliert hat: ,Durch Protektionismus versiegt die Lebensader der Wirtschaft’.“ Versuche, „die Globalisierung ,zurückzuschrauben’ hätten deshalb verheerende Auswirkungen".

Der neue BDI-Präsident, Dieter Kempf, Nachfolger von Ulrich Grillo, warnte in seiner Rede, eine isolierte US-Wirtschaft hätte erhebliche Auswirkungen auf den weltweiten Handel: „Die Konsequenzen treffen uns Deutsche als führende Export- und Importnation besonders stark.“ Vor dem Hintergrund von Trumps Ankündigungen, aus dem Transpazifischen Freihandelsabkommen TPP auszusteigen, Strafzölle auf im Ausland produzierte Waren zu erheben und des dreimonatigen Einreiseverbotes für viele Muslime warnte Kempf, vor allem Unternehmen und Verbraucher in den USA selbst würden unter einer wirtschaftlichen Isolierung leiden.

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