Gaulands Mitstreiter : Diese Rechten will die AfD in den Bundestag schicken

Nicht nur Alexander Gauland kennt fast keine Hemmungen mehr. Auch bei anderen Kandidaten besteht kein Zweifel an ihrer Gesinnung. Unser Blendle-Tipp.

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Alexander Gaulands Rhetorik hat Vorbilder und Nachahmer. Foto: imago/Christian Ditsch
Alexander Gaulands Rhetorik hat Vorbilder und Nachahmer.Foto: imago/Christian Ditsch

Der Spitzenkandidat hält sich nicht mehr zurück. Auf einem AfD-Treffen erklärt er: Deutsche haben „das Recht, stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“. Doch was ist mit den Kandidaten, die weniger im Rampenlicht stehen als Alexander Gauland? Was sind das für Menschen, die diese Partei in den nächsten Bundestag schicken möchte? Eine Dokumentation.

Dubravko Mandic, geb. 1980, Rechtsanwalt

Der Direktkandidat im Wahlkreis Tübingen sympathisiert mit der rechtsextremen Identitären Bewegung, schwärmt auf Facebook von einem „entstehenden rechtsradikalen Netzwerk zwischen AfD und Identitärer Bewegung“. Mandic glaubt, seine Partei unterscheide sich von der NPD „vornehmlich durch unser bürgerliches Unterstützerumfeld, nicht so sehr durch Inhalte“. Hält Menschen, die die Forderung „Deutschland den Deutschen“ ablehnen, für Verräter. Fordert die Einführung des Straftatbestandes „Volksthumsleugnung“. Flüchtlingen zu helfen, ist für ihn nichts anderes als „moderner Reichsarbeitsdienst“. Behauptet, Deutschland stehe seit sieben Jahrzehnten unter „Besatzung durch die USA“. Nannte Barack Obama einen „Quotenneger“.

Thomas Seitz, geb. 1967, Staatsanwalt

Direktkandidat im Wahlkreis Emmendingen-Lahr. Vor seinen Freunden auf Facebook nennt er Flüchtlinge „Migrassoren“, den Propheten Mohammed einen „sadistischen Blutsäufer und Kinderschänder“. Findet es richtig, „Menschen mit schwarzer Hautfarbe auch weiterhin Neger zu nennen“.


Benjamin Nolte, geb. 1982, Ingenieur

Fiel 2009 bei einem bundesweiten Burschenschaftstreffen auf, als er einer gemäßigten Kölner Verbindung, die ein dunkelhäutiges Mitglied in ihren Reihen hatte, eine Banane schenkte. Wechselte später zur Burschenschaft Danubia, einer Verbindung, die vom bayerischen Verfassungsschutz als „rechtsextremistische Organisation“ eingestuft wird und mehrere NPD-Größen sowie den Holocaust-Leugner Horst Mahler zu Gast hatte. Kandidiert auf der Landesliste Bayern.

Peter Boehringer, geb. 1969, Kaufmann und Autor

Die Nummer zwei auf der Landesliste Bayern ist ein Freund von Verschwörungstheorien: glaubt an die Existenz geheimer, global operierender Eliten, die im Hintergrund an einer sogenannten „New World Order“ (NWO) arbeiten – einer neuen Weltordnung. Die Gesellschaft solle dabei so verändert werden, dass die Eliten sie besser kontrollieren können. Auf Facebook erklärt Boehringer, in Deutschland steuere die NWO bereits die Bundesregierung, habe aber auch die evangelische Kirche, die Bahn, die CSU, die Grünen in Baden-Württemberg, diverse Hilfsorgansationen sowie die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft infiltriert.

Die Vereinten Nationen werden laut Boehringer ebenfalls von der NWO gesteuert – dort seien allerdings auch die Freimaurer aktiv. Glaubt außerdem, die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten seien Teil einer gesteuerten Invasion. Die Flüchtlinge würden für die Überfahrt nach Europa Geld erhalten, etwa aus Saudi-Arabien. Ziel sei, Europa zu islamisieren. Hat beim rechtslastigen Kopp-Verlag ein Buch veröffentlicht, verbreitet Beiträge der rechten „PI-News“.

Die meisten AfD-Hardliner, die ihr Gedankengut offen äußern, sind Männer. Viele fühlen sich der Pegida-Bewegung eng verbunden und versprechen, deren Stimme ins Parlament zu tragen. Manche treten bei den Protesten auch selbst als Redner auf.


Wilhelm von Gottberg, geb. 1940, Beamter im Ruhestand

Nannte den Völkermord am europäischen Judentum in einem Essay im „Ostpreußenblatt“ ein „wirksames Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen“. Stimmte einer Aussage des italienischen Neofaschisten Mario Consoli zu, wonach „immer mehr Staaten die jüdische ,Wahrheit‘ über den Holocaust unter gesetzlichen Schutz“ stellten. Der Holocaust solle demnach „ein Mythos bleiben, ein Dogma, das jeder freien Geschichtsforschung entzogen bleibt“. In seiner Bewerbungsrede beim AfD-Parteitag im Februar forderte er, den „Kult mit der Schuld zu beenden“. Kandidiert auf der Landesliste Niedersachsen.

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