Gefahren für Patienten : Wenn Kliniken zum Risiko werden

Klinikaufenthalte bergen für Patienten auch Risiken. Was am gefährlichsten ist, haben Experten nun durch eine Umfrage ermittelt.

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Risiko Krankenhaus. Nicht nur durch Keime drohen den Patienten Gesundheitsschäden.
Risiko Krankenhaus. Nicht nur durch Keime drohen den Patienten Gesundheitsschäden.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Am gefährlichsten für Klinikpatienten sind nicht Verwechslungen, schusslige Chirurgen oder Infektionen durch resistente Keime, sondern etwas viel Banaleres: Fehler und Nachlässigkeiten bei der Weitergabe von Information bei Aufnahme, Entlassung und Wechsel in andere Abteilungen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter 572 Krankenhäusern durch das Institut für Patientensicherheit der Universitätsklinik Bonn.

Bei den Risikoschwerpunkten steht demnach die "Schnittstellenproblematik" ganz oben. Es folgen Fehler bei der Gabe von Arznei, bei Diagnose und Therapie sowie in der Notfallaufnahme. Die Gefahr, sich wegen schlechter Hygiene eine Infektion zuzuziehen, kommt erst an fünfter Stelle. Vor fünf Jahren galt das noch als drittgrößtes Risiko.

Keim-Screening von Risikopatienten inzwischen weit verbreitet

Wesentlich für den Rückgang könnte ein geschärfter Blick für diese Gefahr sein, meint Institutsdirektorin Tanja Manser. So ergab die Umfrage, dass in 91 Prozent aller Kliniken Risikopatienten systematisch auf sogenannte MRSA-Keime gescreent werden. 2010 lag die Quote bei 72 Prozent. Durch Standards zur Patientenidentifikation rutschte auch die Verwechslungsgefahr für Kranke, Proben oder Befunde vom vierten auf den achten Platz. Riskanter für Patienten sind inzwischen fehlende Personalkompetenz und Stürze.

Internationalen Studien zufolge ist die Hälfte aller unerwünschten Ereignisse in den Krankenhäusern vermeidbar. Generell betreiben die Kliniken mittlerweile aber weit mehr Risikomanagement als früher. So erhöhte sich die Quote der Häuser, in denen es Patientenbefragungen gibt, seit 2010 von 47 auf 98 Prozent. 91 Prozent werten Schadensfälle aus, vor fünf Jahren geschah dies nur in 79 Prozent der Krankenhäuser. Jedoch seien die meisten Maßnahmen reaktiv und nicht präventiv, kritisierte Manser. Es müsse noch mehr dafür getan werden, dass Fehler gar nicht erst passierten.

Kassenchef: Kliniken müssen gezwungen werden, mehr Pflegepersonal einzustellen

Dass inzwischen auch der Mangel an Pflegekräften zu den großen Risikofaktoren für Krankenhauspatienten gehört, hob der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, hervor. Viele Krankenhäuser gingen nach dem Prinzip vor, dass Ärzte Geld brächten und Pflegepersonal nur welches kosteten. "Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen." Schließlich sei erwiesen, dass gute Pflege für die Gesundung von Patienten ganz wesentlich sei.

Den Ansatz der Politik, den Kliniken einfach nur mehr Geld für Pflegekräfte zu überlassen, bezeichnete der Kassenchef als falsch. "Die Krankenhäuser müssen gezwungen werden, mehr Pflegepersonal einzustellen", sagte er. Für bestimmte Abteilungen müssten auch bestimmte Pflegeschlüssel vorgeschrieben werden.

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