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Gefangen in Syrien : "Ich saß in Assads Knast"

08.10.2013 09:49 Uhr
Der Journalist Armin Wertz saß fünf Monate lang in syrischer Haft.Bild vergrößern
Der Journalist Armin Wertz saß fünf Monate lang in syrischer Haft. - Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Monatelang saß der Journalist Armin Wertz im Dunkeln. Allein in einer Zelle eines syrischen Gefängnisses. Im Interview spricht er über unerträgliche Hitze, Schlaf auf dem Betonboden, permanenten Hunger und Prügelorgien.

Wir treffen Armin Wertz in der Kantine des Tagesspiegels. Seine Haare haben sie ihm im Gefängnis alle zehn Tage geschoren. Er trägt einen viel zu großen Strickpullover eines Freundes, weil seine eigenen Sachen in Aleppo geblieben sind. Wertz kam am vergangenen Samstag aus syrischer Haft frei – nach fünf Monaten.

Sie sind eigentlich Journalist mit Wohnsitz und Arbeitsplatz in Indonesien. Was wollten Sie in Syrien?
Ich hatte einen Auftraggeber, der Reportagen aus Syrien drucken wollte. Für die wäre es aber zu teuer gewesen, eigene Leute zu schicken.

Dazu kamen Medien aus der Schweiz, die auch interessiert waren. Die Reportagen hätten sich sicherlich gut verkauft.
War es etwas blauäugig, ohne Visum nach Syrien einzureisen?
Nein, glaube ich nicht. Ich habe solche Sachen oft gemacht, zum Beispiel in Lateinamerika. Was ich nicht wusste, war, dass die syrischen Behörden keine Fotografen mögen. Aber ich hatte wie jeder Schreiber eine Kamera dabei, auch wenn ich sie selten benutze. Die syrischen Behörden waren besessen von der Idee, dass ich irgendetwas fotografiert habe, was ich nicht hätte fotografieren dürfen.


Wie sind Sie nach Syrien eingereist?
Über die Türkei, und dann weiter mit dem Auto nach Aleppo. Das haben sie mir auch übelgenommen. Die Türkei wird von Syrien als Feind gesehen.
Wo wurden Sie dann verhaftet?
Die Sicherheitsleute sind in Aleppo ins Hotel gekommen, um mich festzunehmen. Das Hotel wird der Einwanderungsbehörde ihre Gäste gemeldet haben.
Wie lief die Festnahme ab?
Die Männer waren eigentlich recht nett. Sie haben gesagt, sie kämen vom Innenministerium. In zivil. Ich hatte den Eindruck, die seien vom Geheimdienst. Die waren sehr korrekt und höflich. So korrekt und höflich, dass ich den Eindruck hatte, sie haben Anweisung von oben, mit Ausländern – zumindest mit Europäern – anständig umzugehen. Die fanden das auch ganz spannend, mit mir zu reden.
Worüber?


Wir haben uns über Lateinamerika unterhalten. Ich habe gesagt: Ihr beschwert euch über die Amerikaner, wie die euch behandeln? Redet mal mit den Lateinamerikanern, denen geht es noch viel schlimmer. Da waren die alle ganz interessiert und holten noch Kollegen dazu. Die haben mich nicht gleich eingesperrt, sondern im Hotel unter Hausarrest gestellt. Das Hotel durfte ich nur unter Aufsicht verlassen. Jeden Tag bin ich mit einem von den Typen spazieren gegangen. Am ersten Tag nur eine halbe Stunde, dann länger. Einer hat mir sogar ein Mittagessen in einem Restaurant ausgegeben. Die haben mir den Eindruck vermittelt, dass ich schnell wieder rauskomme. Niemand hat mir das mit dem fehlenden Visum krumm genommen.
Also alles halb so schlimm?
Ich habe immer gehofft, dass ich zu Championsleague-Finale zwischen Bayern und Borussia Dortmund am 25. Mai wieder draußen bin. Ich war natürlich nicht draußen und habe irgendwann im August von einem Neuankömmling, der Fußballfan war, das Ergebnis erfahren.
Wann ist die Stimmung gekippt?
Nach zwei Wochen ungefähr wurde ich in ein Gefängnis gebracht, wo es etwas ungemütlicher war. Aber nicht einmal die Wärter wussten warum. Ich schon mal gar nicht.
Hatten Sie Angst, dass sich in Deutschland niemand um Ihre Freilassung kümmert?
Ich konnte ganz zu Beginn noch eine SMS von meinen Handy an einen deutschen Kollegen absetzen. Der hat Reporter ohne Grenzen und andere informiert. Das Handy wurde mir dann abgenommen, aber es war raus, dass ich in Syrien im Knast sitze.

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