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Geldtransporter-Überfall in Diepholz : RAF-Terroristen sollen weiteren Raub begangen haben

Erstmals tauchen die Namen der drei ehemaligen RAF-Terroristen Klette, Staub und Garweg auf, die im vergangenen Jahr Überfälle auf Geldtransporter begangen haben sollen.

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Die gesuchten Ex-RAF-Terroristen Burkhard Garweg (l-r), Ernst-Volker Wilhelm Staub und Daniela Klette.
Die gesuchten Ex-RAF-Terroristen Burkhard Garweg (l-r), Ernst-Volker Wilhelm Staub und Daniela Klette.Foto: dpa

Bei den nach einem Raubüberfall in Niedersachsen gesuchten Ex-RAF-Terroristen handelt es sich um Daniela Klette, Ernst-Volker Wilhelm Staub und Burkhard Garweg. Diese Informationen des NDR wurden der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag in Berlin in Sicherheitskreisen bestätigt.

Sie gehörten zur Dritten Generation der RAF und stehen auf der Fahndungsliste des Bundeskriminalamts.

Ihre genetischen Fingerabdrücke waren nach einem Überfall auf einen Geldtransporter am 6. Juni 2015 in Diepholz gesichert worden. Am Dienstagnachmittag teilte die Staatsanwaltschaft in Verden mit, dass die drei auch im Verdacht stehen, an einem weiteren Überfall auf einen Geldtransporter Ende 2015 in Wolfsburg beteiligt gewesen zu sein.

Alle drei Beteiligten sollen dem NDR-Bericht zufolge unter anderem 1993 an dem Sprengstoffanschlag auf die Justizvollzugsanstalt in Weiterstadt in Hessen beteiligt gewesen sein. Auch damals seien ihre DNA-Spuren gefunden worden.

Klette und Staub haben zudem am 30. Juli 1999 um 21.34 Uhr in Duisburg-Rheinhausen einen Geldtransporter überfallen. An Helmen und Sturmhauben haben damals Ermittler Speichel- und Hautabriebspuren von Klette und Staub gefunden. Die Ermittler gehen davon aus, dass Garweg die dritte Person war.

Den letzten Mord verübte die RAF 1991

Die Rote Armee Fraktion hatte am 20. April 1998, fast 28 Jahre nach ihrer Gründung, in einem achtseitigen Brief an verschiedene Medien ihre Selbstauflösung verkündet. Bei ihrem letzten Anschlag am 27. März 1993 hatte sie mit 200 Kilogramm Sprengstoff die Justizvollzugsanstalt Weiterstadt bei Darmstadt in Schutt und Asche gelegt. Das Gefängnis sollte einen Monat später eröffnet und 500 Häftlingen Platz bieten.

Ihren letzten Mord verübte die RAF am 1. April 1991in Düsseldorf. Ein Scharfschütze der RAF hatte aus einem Schrebergarten in 63 Metern Entfernung Detlev Karsten Rohwedder, damals Chef der Treuhandanstalt, erschossen. Es war der zehnte Mord der so genannten Dritten Generation, die sich 1984 gebildet hatte. Insgesamt tötete die RAF 33 Menschen. Die Bundesanwaltschaft kennt bis heute weder die komplette Zahl der Mitglieder der Dritten Generation noch deren Namen.

Dieser sichergestellte VW-Transporter wurde bei dem Geldtransporter-Überfall in Diepholz verwendet.
Dieser sichergestellte VW-Transporter wurde bei dem Geldtransporter-Überfall in Diepholz verwendet.Foto: Polizeiinspektion Diepholz/dpa

Ernst-Volker Staub, geboren 1954, als Student der Sprach- und später der Rechtswissenschaften, nach 13 Semestern zwangsexmatrikuliert, war spätestens im Juni 1983 abgetaucht und wurde 1984 in einer konspirativen Wohnung der RAF in Frankfurt mit fünf anderen Terroristen verhaftet. Wegen "Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung" wurde er zu vier Jahren Haft verurteilt. Nach Ansicht der Ermittler tauchte er 1990 erneut ab und schloss sich der RAF an.

Daniela Klette, nach Einschätzung der Ermittler zumindest früher mal Staubs Lebensgefährtin, gehörte 1978 zur "Roten Hilfe" in Wiesbaden, die sich inhaftierte RAF-Gefangenen kümmerte. Im Februar 1991 beschoss ein RAF-Kommando die Botschaft der USA in Bonn mit 250 Gewehrschüssen. Fenster gingen zu Bruch, verletzt wurde niemand. Es war aus Sicht der RAF eine Reaktion auf den Golfkrieg im Irak, an dem sich multinationale Truppen unter dem Oberkommando der USA beteiligten. Die RAF-Mitglieder verschwanden nach dem Anschlag in einem blauen Passat in der Nacht. In dem Fluchtwagen wurde später ein Haar von Daniela Klette gefunden.

Burkhard Garweg, Jahrgang 1968, stieß nach Erkenntnis der Ermittler über die linksradikale Szene in der Hamburger Hafenstraße zur RAF. Er tauchte 1990 ab.

In Duisburg-Rheinhausen hatten die Täter 1999 einen Geldtransporter auf einem Parkplatz eines Einkaufszentrums mit zwei Autos gestoppt. Die Angreifer zielten mit einer Panzerfaust, einer Maschinenpistole und einem Sturmgewehr auf die beiden Sicherheitsleute im Transporter. Die Täter erbeuteten mehr als eine Million D-Mark. Die Tatfahrzeuge waren gestohlen, das Bundeskriminalamt ermittelt aufgrund der gefundenen Spuren, dass es sich bei zwei der drei Angreifer um Klette und Staub gehandelt hatte. Im November 2000 wurde gegen beide ein neuer Haftbefehl erlassen. Spuren von ihnen und von Garweg gab es aber nicht mehr. Bis zu dem Raubüberfall in Diepholz.

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