Politik : Gerechtigkeit ist affig

Primaten haben Sinn für Fairness: Bei Experimenten mit Verhaltensforschern wehren sie sich gegen Benachteiligung

Paul Janositz

Gleiches Geld für gleiche Arbeit – diese in menschlichen Gesellschaften noch lange nicht realisierte Forderung gibt es anscheinend auch im Tierreich. Jedenfalls sind Kapuzineraffen nicht bereit, ungleiche Bezahlung hinzunehmen. Um den Sinn für Gerechtigkeit der Primaten zu testen, boten amerikanische Verhaltensforscher von der Emory-Universität in Atlanta den Primaten spielerische Geschäfte an. Im Austausch für Spielsteine gab es Gurkenstücke. Die Affen empfanden das anscheinend als guten Tausch. Jedenfalls reagierten sie „glücklich“, wie Sarah Brosnan und ihr Kollege Frans de Waal in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Nature“ berichten. Die Affen nahmen die Gurke und aßen den Leckerbissen sofort auf. Das Glücksgefühl schlug jedoch schnell ins Gegenteil um, sobald sich die Tiere benachteiligt fühlten.

Dazu kam es, wenn Artgenossen statt der Gurke eine Traube bekamen. Diese süßen Früchte lieben die Tiere, die normalerweise im lateinamerikanischen Urwald leben, besonders. Beobachtete also ein Affe diesen Vorgang, so galt ihm die Gurke nicht mehr als gerechter Gegenwert. „Der Affe weigerte sich, mit seinem Spielstein zu bezahlen, er warf ihn lieber weg“, sagt Brosnan. Aber auch die Gurke wurde verschmäht, manchmal an andere Affen weiter gegeben. Der Affenärger steigerte sich noch, wenn die Trauben fürs Nichtstun gegeben wurden.

Im Übrigen zeigt „Homo sapiens“ bei gleicher Versuchsanordnung ähnliche Reaktionen. Wer sich unfair behandelt fühlt, ist weniger kooperativ, selbst wenn dies Nachteile mit sich bringt. Daraus zieht die Forscherin den Schluss, dass auch das menschliche Gefühl für Gerechtigkeit eine Gabe der Evolution ist.

Ein wenig skeptisch äußert sich Susan Perry vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Die amerikanische Forscherin hat mehr als 13 Jahre lang Kapuzineraffen im Urwald von Costa Rica beobachtet. Das geschilderte Verhalten habe sie nicht bemerkt. Die Diskrepanz könnte darin liegen, dass die Experimente mit gefangenen Tieren gemacht wurden.

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