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Gewinn aus Raab-Sendung : "Ärzte ohne Grenzen" wollen kein Geld von Steinbrück

Peer Steinbrück hat das TV-Duell zumindest nach Ansicht der Pro-Sieben-Zuschauer gewonnen und dafür 300000 Euro erhalten. Das Geld wollte er an "Ärzte ohne Grenzen" und ihren Einsatz in Syrien spenden. Doch die Hilfsorganisation lehnte dankend ab. Jetzt haben sich allerdings zwei andere Empfänger gefunden.

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Da hilft auch kein Beschwichtigen: Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" will Peer Steinbrücks Spende nicht.
Da hilft auch kein Beschwichtigen: Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" will Peer Steinbrücks Spende nicht.Foto: dpa

Eine überraschende Spendenzusage ist normalerweise Grund zur Freude. Vor allem für Hilfswerke, die auf Geld dringend angewiesen sind. Da machen auch „Ärzte ohne Grenzen“ keine Ausnahme. Dennoch will die Organisation auf ein hübsches Sümmchen verzichten – um sich die politische Unabhängigkeit zu bewahren.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hatte am Montagabend angekündigt, er wolle die ihm zustehende Gewinnsumme von 300000 Euro aus der Pro-Sieben-Sendung „Absolute Mehrheit“ von Stefan Raab der Syrien-Hilfe zur Verfügung stellen. Dort hatten die Zuschauer den Sozialdemokraten zum Sieger des TV-Duells mit Kanzlerin Angela Merkel erklärt. Von dem Geld sollte auch "Ärzte ohne Grenzen" profitieren. Schließlich benötigten die Menschen in Syrien dringend Unterstützung.

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"Ärzte ohne Grenzen" wollen das Geld von Peer Steinbrück nicht

Doch die Organisation lehnt dankend ab. Man freue sich zwar über das entgegengebrachte Vertrauen und sei dankbar, hieß es am Dienstag auf Anfrage des Tagesspiegel. Dennoch werde man "eine Spende von Herrn Steinbrück, die in direktem Zusammenhang mit seiner politischen Arbeit steht, aus Gründen der politischen Unabhängigkeit nicht annehmen". Es gehöre eben zu den Prinzipien von „Ärzte ohne Grenzen“, kein Geld von politischen Akteuren oder Parteien anzunehmen – ungeachtet der Tatsache, dass man Spenden braucht. Die Organisation betreibt nach eigenen Angaben derzeit sechs Krankenhäuser, vier Gesundheitszentren und mehrere mobile Kliniken in Syrien und behandelt Flüchtlinge in den Nachbarländern Libanon, Jordanien, Irak und der Türkei.

Bei der SPD bedauert man zwar die Absage von „Ärzte ohne Grenzen“. „Aber selbstverständlich respektieren wir die Entscheidung“, sagte eine Sprecherin. Nun werde über Alternativen nachgedacht. Auf jeden Fall soll mit dem Geld Menschen in Syrien geholfen werden.

Inzwischen ist die SPD bei ihrer Suche nach Spendenempfängern offenbar fündig geworden. Die Partei teilte Mittwochabend mit, dass die Welthungerhilfe und das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe - ihm gehören das Deutsche Rote Kreuz, die Diakonie und Unicef an - sich die 300000 Euro teilen werden. Beide Organisationen helfen den Menschen in Syrien und sehen in der Zuwendung kein Problem. "Die Spende von Peer Steinbrück ist ein Gewinn aus einer TV-Sendung", sagte ein Koordinator des Aktionsbündnis Katastrophenhilfe Zeit online. "Sie ist keine Partei- oder Privatspende, die unsere politische Neutralität gefährdet."

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