Glyphosat : Was man über den Unkrautvernichter wissen muss

Worum geht es genau bei dem Pestizid Glyphosat? Wie schädlich ist es wirklich und was weiß man darüber? Eine Zusammenfassung.

Friederike Sandow
Ein Traktor mit Spruehanlage auf einem Maisfeld im Mansfelder Land (Sachsen-Anhalt)
Ein Traktor mit Spruehanlage auf einem Maisfeld im Mansfelder Land (Sachsen-Anhalt)Foto: epd

Was ist Glyphosat?

Glyphosat ist eine chemische Verbindung, die von Pflanzen über die Blätter aufgenommen wird. In der Pflanze verhindert die Chemikalie die Produktion von wachstumsrelevanten Proteinen, sodass die Pflanze innerhalb kurzer Zeit abstirbt. Glyphosat ist vor allem in der Landwirtschaft weit verbreitet und kommt oft vor der Aussaat zum Einsatz, um den Boden großflächig von Unkraut zu befreien. Es ist das meistbenutzte Pestizid auf Europas Feldern.

Glyphosat vernichtet alle natürlichen Pflanzen. Sobald ein Feld bestellt ist, ist der Einsatz von Glyphosat riskant, da der Pflanzenvernichter non-selektiv alle Pflanzen abtötet, und nicht nur bestimmte Sorten. In den USA ist für dieses Problem schon Abhilfe geschaffen, durch gen-manipulierte Pflanzen, die gegen Glyphosat resistent sind. Deutschlands Felder sind allerdings seit 2009 so gut wie gentechnikfrei.

Der meist genutzte Unkrautvernichter der Welt wurde 1974 von dem umstrittenen Konzern Monsanto auf den Markt gebracht. Monsanto ist in der Vergangenheit vorgeworfen worden, sukzessive Saatgutunternehmen aufzukaufen und eine Monopolstellung anzustreben. Vor allem bei genverändertem Saatgut ist Monsanto marktführend. Der deutsche Chemiekonzern Bayer will Monsanto im Frühjahr 2018 übernehmen.

Glyphosat in Deutschland

Grundsätzlich ist es so, dass in der Glyphosat-Frage die Spannung der Bauern zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft zu Tage tritt. In Deutschland ist Glyphosat bei den Bauern beliebt, über 30 Prozent der deutsche Felder werden damit behandelt. Die deutschen Bauern warnen, dass ein Verbot von Glyphosat dazu führt, dass entweder toxischere Mittel zu Lasten der Umwelt oder kostenintensivere Lösungen eingesetzt werden müssen, die die Preise für den Endverbraucher in die Höhe treiben. Die ökologischen Landwirte argumentieren, dass der Einsatz von Pestiziden eine kurzfristige Lösung auf Kosten der Umwelt ist.

Warum ist das Gift so beliebt?

Glyphosat hat viele Vorteile. Dadurch, dass es non-selektiv ist, weist Glyphosat ein so breites Spektrum auf, wie kaum ein anderer Unkrautvernichter. Durch die Aufnahme der Chemikalie über die Blätter ist es sehr effektiv: Es erübrigt das Pflügen des landwirtschaftlichen Bodens. Auf Grund der kurzen Verfallszeit ist es für Tiere weniger giftig als andere Unkrautvernichter. Auch ist Glyphosat vergleichsweise günstig.

Foto: AFP/Thorsten Eberding

Warum ist es so umstritten?

Seit Jahren wird diskutiert, ob Glyphosat krebserregend ist. Während eine Studie der Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation sagt, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend“ ist, sagen unter anderem Studien der Europäischen Lebensmittelbehörde und der Europäischen Chemikalienagentur, dass kein Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Glyphosat und Krebserkrankungen hergestellt werden kann.

Kritiker sagen, dass die unterschiedliche Einschätzung des Risikos daher rührt, dass die Agenturen Begrifflichkeiten unterschiedlich gewichten. Während die WHO der Frage nachgeht, ob Glyphosat generell dazu in der Lage sei, Krebs auszulösen, lauten die Einschätzungen anderer Agenturen, dass bei einer sachgemäßen Anwendung von Glyphosat keine Gefahr für den Menschen besteht.  Ein viel angeführtes Argument der Glyphosat-Lobby ist, dass der Stoffwechselweg, der in Pflanzen durch das Glyphosat blockiert wird, bei Menschen und Tieren nicht existiert und deshalb auch keinen Schaden anrichten kann. Die möglichen indirekten Folgen von Glyphosat sind damit jedoch nicht erklärt.

Steht Glyphosat im Zusammenhang mit dem Insektensterben?

Die Vermutung, dass Glyphosat zu einem Insektensterben beiträgt, liegt nahe, auch wenn sie nicht bestätigt werden kann. Das Gift tötet nicht direkt Insekten. Aber Glyphosat steht im Verdacht, eine Teilverantwortung am Insektensterben und einer Verringerung der Artenvielfalt zu tragen. Denn der Einsatz unterbindet das Wachsen von anderen Pflanzen auf Ackerflächen. So gibt es immer weniger Pflanzen, wilde Blumen und Kräuter auf den Feldern, was Insekten und Vögeln vielerorts die Nahrungsgrundlage entzieht – denn Unkraut ist ihre Nahrung. Für die Folgen gibt es viele Hinweise, doch auf Grund der Forschungslage wenig Fakten, die Ursache und Wirkung ganz genau definieren. Für die stark abnehmende Artenvielfalt wirken viele Faktoren zusammen, die sich nicht voneinander trennbar messen lassen - wie Klimaveränderungen, Umweltverschmutzung, Lärmbelästigung, Einsatz von Pestiziden und Einrichtung von Naturschutzgebieten.

Der Bauernverband wendet ein, dass auch eine intensive maschinelle Bearbeitung der Äcker zur Folge hat, dass das Unkraut vernichtet wird, sodass das Problem der Versorgungskette auch bei einem Verbot des Glyphosats bestehen bleiben könnte. Der Bauernverband fordert, dass keine voreiligen Schlüsse für die Landwirtschaft gezogen werden dürfen.

Naturschützer fordern schnelles Handeln

Trotzdem steht fest, dass die Pestizide durch den Einsatz auf den Feldern in die Atmosphäre, den Boden und das Grundwasser gelangen. Welchen Schaden sie langfristig anrichten, ist noch unklar. Noch weiß man zu wenig über Glyphosat, um die Folgen und vor allem Risiken umfassend abschätzen zu können. Naturschützer warnen, dass es für die Insekten und die Biodiversität zu spät sein könnte zu warten, bis man sich der Folgen des Chemikalieneinsatzes ganz sicher ist.

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