Gottesdienste : Ankara kommt Christen entgegen

Die türkische Regierung hat die Pauluskirche in Tarsus und 15 weitere bedeutende Kirchen in der Türkei grundsätzlich für Gottesdienste freigegeben. Die Türkei kommt damit einer Forderung der katholischen Kirche entgegen.

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Istanbul - Wie die Tageszeitung „Milliyet“ am Mittwoch unter Berufung auf Quellen im Kulturministerium berichtete, sollen christliche Gemeinden sich künftig entsprechende Genehmigungen bei den örtlichen Behörden holen dürfen. Dies sehe ein interministerieller Beschluss vor, der vom Außen-, Innen- und Kulturministerium erarbeitet wurde. Im Kulturministerium hieß es dazu auf Anfrage, der Beschluss sei noch nicht verabschiedet.

Auf der Liste von Kirchen, die grundsätzlich für Gottesdienste geöffnet werden sollen, stehen dem Bericht zufolge außer der Pauluskirche in Tarsus auch die Sophienkirche im früheren Nizäa, in der das siebte Ökumenische Konzil tagte, die Nikolauskirche am Wirkungsort des historischen Sankt Nikolaus in Myra bei Antalya und die Marienkirche in Izmir, wo Maria nach dem Tod von Jesus gelebt haben soll. Auch historische Kirchen in Kappadokien und in Antakya, dem früheren Antiochien am Orontes, sind dabei.

Bisher sind alle fraglichen Kirchen als staatliche Museen klassifiziert, in denen religiöse Feiern untersagt sind. Nur mit einer Sondergenehmigung der Regierung – wie sie etwa im Paulusjahr für die Kirche in Tarsus erteilt wurde – war es bisher in wenigen Ausnahmefällen möglich, einen Gottesdienst dort zu feiern. Die katholische Kirche fordert seither die dauerhafte Freigabe der Pauluskirche für Gottesdienste. Der nun vorbereiteten Regelung zufolge soll für die 16 aufgezählten Kirchen künftig keine Regierungsgenehmigung mehr notwendig sein, sondern lediglich eine Anmeldung beim jeweiligen Provinzgouverneur.

Die türkische Regierung hatte zuvor schon jährliche Gottesdienste in der armenischen Heilig-Kreuz-Kirche in Van und im orthodoxen Kloster Sümela bei Trabzon genehmigt. An beiden Gottesdiensten, die in diesem Sommer erstmalig gefeiert wurden, nahmen tausende Gläubige teil. Die selbst religiös inspirierte Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan lockert damit jahrzehntelange Einschränkungen der Religionsfreiheit der christlichen Minderheiten.

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