Politik : Greencard: Indische IT-Experten suchen nicht nur gut bezahlte Jobs

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Indische Computerexperten suchen mehr als nur einen gut bezahlten Job. Dies sei der wichtigste von vielen Gründen, weshalb IT-Fachleute des Subkontinents zögerlich auf die deutschen Green-Card-Angebote reagierten, erklärte der indische Botschafter Ronen Sen.

Bei einem Redaktionsbesuch des Tagesspiegel sagte Sen weiter, dass Inder stark mit ihren Familien verbunden seien. Deshalb gehörten Fragen wie der Nachzug von Familienmitgliedern zu den wichtigsten Aspekten. Auch die Entwicklungsperspektiven im jeweiligen Gastland würden sehr genau geprüft. Während Deutschland mit den Green-Cards in der Regel eine Aufenthalterlaubnis von fünf Jahren vernüpft, werden indische Computer-Experten von den USA oder Kanada mit zeitlich unbeschränkten Aufenthaltsgenehmigungen geworben. Wie berichtet, ist die Nachfrage nach den deutschen Green-Cards bislang eher mäßig.

Ronen Sen erklärte außerdem, dass mittlerweile in Indien selbst Computerfachleute fehlen. Die Branche boome derart stark, dass noch in diesem Jahr mehrere zehntausend Experten benötigt werden. "Wir sind zum ersten Mal in der Situation, dass die Menschen nicht mehr das Land verlassen, sondern im Gegenteil, wieder zurückkommen, um in Indien zu leben und zu arbeiten." Sen weiter: "Indische Computer-Fachleute haben erkannt, dass sie zur Weltspitze gehören und überall arbeiten können." Dies stärke ihr Selbstbewusstsein.

Im Januar 2001 soll die neue indische Botschaft in Berlin eröffnet werden. Die Außenstelle in Bonn solle dann geschlossen werden. Das Bonner Haus will Indien verkaufen. Gleichzeitig ist geplant, ein neues Konsulat in München zu eröffnen. Indische Konsulate gibt es auch in Hamburg und Frankfurt am Main.

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