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Griechenland : Flüchtlinge bleiben in Idomeni, Helfer ratlos

Die Polizei verstärkt ihre Einsatzkräfte im griechischen Elendslager Idomeni. Flüchtlinge demonstrieren - und fürchten eine gewaltsame Räumung des Camps.

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Konfrontation im Grenzgebiet: Ein Flüchtling zwischen anderen Flüchtlingen und griechischen Polizisten am Ostersonntag in Idomeni.
Konfrontation im Grenzgebiet: Ein Flüchtling zwischen anderen Flüchtlingen und griechischen Polizisten am Ostersonntag in Idomeni.Foto: Marko Djurica/Reuters

Die Lage im griechischen Elendslager Idomeni an der Grenze zu Mazedonien ist angespannt. Gerüchte überschlagen sich: Werden Flüchtlinge einen Grenzdurchbruch versuchen? Wird die Polizei das Camp in Kürze gewaltsam räumen? Oder doch die Grenze geöffnet? Rund 1500 Flüchtlinge demonstrieren am Sonntag auf den Bahngleisen, die Polizei verstärkt ihre Einsatzkräfte und riegelt die Zufahrtsstraßen ab.

Die Migranten versammelten sich am Sonntag um die Mittagszeit vor dem mazedonischen Zaun und forderten lautstark die Öffnung der Grenze für Flüchtlinge. "Wir haben gehört, die Grenze geht heute auf", sagte ein aus Syrien stammender Flüchtling im griechischen Rundfunk. Viele Menschen hielten weiße Tücher in der Hand, um zu symbolisieren, dass sie friedlich unterwegs sind, wie das Staatsfernsehen ERT berichtete.

Die Polizei stoppte auf der Autobahn zwischen Thessaloniki und der mazedonischen Grenze mehrere Busse mit Mitgliedern und Sympathisanten der griechischen autonomen "Bewegung gemeinsam gegen Rassismus und die faschistische Bedrohung" (KEERFA). Sie wollten sich an den Aktionen in Idomeni zur Öffnung der Grenze beteiligen.

Obwohl sich Gerüchte über eine Grenzöffnung am Wochenende nicht bestätigten und von Aktivisten organisierte Proteste erfolglos blieben, reisten im Anschluss nur ein paar Dutzend Menschen ab - gerade mal zwei Busse hätten das Lager seither in Richtung organisierter Camps im Landesinneren verlassen, berichtete der griechische Fernsehsender Skai am Montagmorgen.

Für die zahlreichen freiwilligen Helfer ist bisher schwer zu überschauen, wie es weitergeht. Die Helferin Mia, die für den Dresden-Balkan-Konvoi im Einsatz ist, sagte am Sonntag dem Tagesspiegel, bisher sei die Lage friedlich. Die griechischen Behörden hätten sich bisher darauf beschränkt, die Flüchtlinge mit Flyern aufzufordern, das Camp mit Bussen zu verlassen und zu "besseren Orten" zu gehen. Gerüchten über eine angeblich bevorstehende Öffnung der Grenze begegnen die Helfer dem Dresden-Balkan-Konvoi zufolge mit dem Hinweis, "dass die Grenze nicht offen ist und sich auch nicht öffnen wird".

Mia gehörte zu den ehrenamtlichen Helfern, die am frühen Sonntagmorgen noch ungehindert ins Camp kamen. Inzwischen wird Freiwilligen aber zum Teil von der Polizei der Zugang zum Lager verwehrt, wie der deutsche Journalist und Grünen-Politiker Erik Marquardt am Mittag dem Tagesspiegel sagte.

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Hunderte verlassen Flüchtlingslager Idomeni

Bereits am Vortag hatten Unbekannte Gerüchte unter den Menschen in Idomeni verbreitet, Deutschland werde Tausende Schutzsuchende aus dem Elendslager aufnehmen. Die Polizei informierte mit Lautsprechern auf Arabisch und Farsi, dass die Gerüchte nicht stimmten und die Grenze nicht geöffnet werde, berichteten Augenzeugen. Der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) erklärte im "Spiegel", sein Land könnte bei einer "koordinierten Aktion mehrerer Bundesländer" 1000 bis 2000 Flüchtlinge aus Idomeni aufnehmen.

Der Sprecher des griechischen Flüchtlingskrisenstabes, Giorgos Kyritsis, hatte am Karfreitag dem Tagesspiegel erklärt: "Die Priorität der Regierung besteht darin, dass sich in Idomeni keine Flüchtlinge mehr aufhalten. Wir informieren die Flüchtlinge darüber, dass die Grenze geschlossen bleiben wird und dass der griechische Staat ihnen anständige Unterbringungsmöglichkeiten ein paar Kilometer entfernt zur Verfügung stellen kann."

Tatsächlich haben in den vergangenen Tagen dann aber nur rund 600 Menschen Idomeni verlassen und seien in andere organisierte Lager im Landesinneren gegangen. Noch immer etwa 11.500 Menschen harren in dem Grenzort unter schwierigen Bedingungen aus. Sie fürchten, in Idomeni einer Abschiebung in die Türkei zu entgehen. Besonders Kinder und Frauen halten die Zustände in Idomeni nicht länger aus, wo sie gezwungen sind, trotz Regen und Kälte in kleinen Zelten oder im Freien zu übernachten.

Protest auf den Bahngleisen: Die Hoffnung der Flüchtlinge auf eine Öffnung der Grenze zu Mazedonien wird vermutlich vergeblich sein
Protest auf den Bahngleisen: Die Hoffnung der Flüchtlinge auf eine Öffnung der Grenze zu Mazedonien wird vermutlich vergeblich...Foto: Marko Djurica/Reuters

Mädchen im Zelt geboren

Im Flüchtlingslager wurde am Samstag ein Mädchen in einem Zelt geboren, wie der griechische Fernsehsender ERT berichtete. "Die Geburt hat nicht länger als eine halbe Stunde gedauert", sagte eine Verwandte der Mutter, die aus der überwiegend von Kurden bewohnten syrischen Grenzstadt Kobane stammen soll. Mitglieder der humanitären Organisation Ärzte der Welt behandelten das Neugeborene und die Mutter, hieß es im Bericht weiter. Es sei das erste Kind, das im Camp von Idomeni in einem der Zelte geboren wurde. In den vergangenen Wochen hatte es mindestens vier weitere Geburten gegeben, die Kinder wurden aber im nahegelegenen Krankenhaus der Stadt Kilkis geboren, hieß es. 

Schlepper bereiten neue Fluchtrouten nach Italien vor

Nach Schließung der Balkanroute für Flüchtlinge bereiten Schlepper neue Routen über das Mittelmeer nach Italien vor. Wie Recherchen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ergaben, soll das Geschäft in der ersten Aprilwoche in großem Stil beginnen. Ausgangspunkte für Überfahrten mit Fischkuttern und kleinen Handelsschiffen sollen der türkische Badeort Antalya, die türkische Stadt Mersin nahe der syrischen Grenze und die griechische Hauptstadt Athen sein.

Die Flüchtlinge würden angewiesen, unter Deck zu bleiben, bis die Schiffe internationale Gewässer erreichten, heißt es unter Berufung auf Schleuser, deren Handynummern bei Facebook stünden. Eine Fahrt koste zwischen 3000 und 5000 Euro. Manche Schlepper wollten zwei Fahrten wöchentlich anbieten, einer habe vor, bis zu 200 Personen in ein Schiff zu zwängen. Die Fahrt sei deutlich teurer, als von der Türkei aus auf die griechischen Inseln in der Ägäis überzusetzen. Aber wer jetzt noch auf den griechischen Inseln ankommt, wird wieder in die Türkei zurückgeschickt. Die Nachfrage nach neuen Routen steige seit Wochen, heißt es.

Zahl der Migranten aus der Türkei nimmt ab

Der Zustrom von Migranten und Flüchtlingen aus der Türkei nach Griechenland nimmt derweil weiter deutlich ab. Binnen 24 Stunden hätten nur 73 Menschen von der türkischen Küste aus zu den griechischen Ostägäis-Inseln übergesetzt, teilte der griechische Flüchtlingskrisenstab am Sonntagvormittag mit. In der 24 Stunden davor seien 78 Menschen angekommen. Der Krisenstab schätzte die Gesamtzahl der Migranten, die sich in Griechenland aufhalten, auf gut 50.200. (mit AFP, dpa)

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