Griechenland : Kann Athen überhaupt noch aus der Schuldenfalle entkommen?

In Athen liegen nach der ergebnislosen Nachtsitzung der Euro-Finanzminister die Nerven blank. Die Griechen sparen, doch das Schuldenproblem verschärft sich trotzdem weiter. Mit welcher Entwicklung in dem Krisenstaat ist zu rechnen?

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Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras kann seinen Ärger kaum verbergen: Sein Land habe getan, was die internationalen Gläubiger verlangt hätten; nun müssten die europäischen Partner und der Internationale Währungsfonds auch halten, was sie versprochen hätten, sagte Samaras am Mittwoch.

Aus seinen Worten sprechen Enttäuschung und Sorge. Denn Finanzminister Giannis Stournaras war eigentlich guten Gewissens zum Treffen der Eurogruppe nach Brüssel geflogen: „Wir haben alles umgesetzt, was man von uns verlangt“, sagte er. Und auch Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker lobte, Griechenland habe „geliefert“. Dennoch lässt die neue Kreditrate auf sich warten – und unterdessen steigt Griechenlands Schuldenlast weiter und weiter. Zugleich stürzt die Wirtschaft immer tiefer ab. Mit den bisherigen Sanierungskonzepten wird das Land niemals die Schuldentragfähigkeit erreichen. Selbst wenn neue Kreditlinien von den Gebern bereitgestellt werden, verschärft dies das Schuldenproblem weiter. Denn die bis Ende dieses Jahres zur Auszahlung vorgesehenen Hilfskredite von 44,6 Milliarden Euro entsprechen knapp 23 Prozent der diesjährigen Wirtschaftsleistung Griechenlands und werden die Schuldenquote weiter nach oben treiben – auf voraussichtlich 176,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Noch im Mai hatte man für dieses Jahr mit 160,6 Prozent gerechnet. Zugleich ging man davon aus, Griechenland werde bis 2020 seine Schuldenquote auf 120 Prozent senken und damit die Schuldentragfähigkeit erreichen. So sieht es das im Frühjahr konzipierte zweite Hilfsprogramm vor.

Doch diese Vorgaben sind bereits Makulatur. Die immer steilere wirtschaftliche Talfahrt wirft alle Prognosen über den Haufen. Griechenlands BIP schrumpfte im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 7,2 Prozent. Das war der stärkste Einbruch seit Beginn der Krise. Seit dem zweiten Quartal, das eine Minus von 6,2 Prozent aufwies, hat sich die Talfahrt deutlich beschleunigt. Erst kürzlich hatte die EU-Kommission ihre Konjunkturprognose für Griechenland nach unten korrigiert: Brüssel rechnet jetzt für 2012 mit einem Rückgang des BIP um sechs statt 4,7 Prozent, wie bisher. Nach dem Ergebnis des dritten Quartals ist aber auch die korrigierte Prognose schon wieder überholt.

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