Griechenland nach dem Referendum : "Einen 'Grexit' nicht ausschließen"

Der Chef der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber (CSU), glaubt, dass alle politischen Verantwortlichen einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone vermeiden wollen. Aber er sagt im Interview auch: "Wer die heutige politische Lage in Griechenland betrachtet, kann einen 'Grexit' nicht ausschließen."

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Der Chef der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber (CSU).
Der Chef der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber (CSU).Foto: dpa

Herr Weber, die Griechen haben beim Referendum mit "Nein" gestimmt. Welche unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen könnte das haben?

Wir machen uns Sorgen über die Situation vieler Menschen in Griechenland. Die Versorgung mit Medikamenten stockt jetzt schon. Die Energieversorgung wird schwierig, weil Griechenland von Importen abhängig ist. Auch die Banken dürften weiter geschlossen bleiben.

Es ist viel die Rede von humanitären Hilfen für Griechenland. Wie könnten solche Hilfen aussehen?

Es geht darum, wo notwendig einen Notstand zu lindern. Zu diesem Zweck können dafür vorgesehene Hilfen im EU-Haushalt aktiviert werden.

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras will schnell die Gespräche mit den Gläubigern über ein Hilfspaket wieder aufnehmen. Sollten die Geldgeber mit ihm nun verhandeln?

Man kann sich nicht höhere Renten durch ein Referendum erstreiten. Zudem ist die Gesprächsatmosphäre sehr belastet. Varoufakis hat davon gesprochen, dass die Geldgeber ’Terroristen’ seien. Und schließlich muss man bedenken, dass es neben Griechenland noch 18 weitere Demokratien in der Euro-Zone gibt. Deshalb müssen sich erst einmal alle anderen Länder dazu äußern, wie sie weiter vorgehen wollen. Mir fehlt heute etwas die Fantasie, wie wir über die Zusagen hinausgehen können, die vor einer guten Woche auf dem Tisch lagen.

Tsipras verlangt einen Schuldenschnitt von 30 Prozent. Was halten Sie von dieser Forderung?

Ich sehe derzeit durchaus Schwierigkeiten, wann es überhaupt wieder zu vernünftigen Gesprächen kommt. Es wird viel Kraft kosten, sich wieder an einen Tisch zu setzen. Hinzu kommt: Wir sprechen heute von einer Griechenland-Krise und nicht von einer Euro-Krise.

Kommt es also über kurz oder lang zum „Grexit“?

Wer die heutige politische Lage in Griechenland betrachtet, kann einen „Grexit“ nicht ausschließen. Aber nach wie vor wollen alle, die politische Verantwortung tragen, diesen Schritt vermeiden.

Manfred Weber ist Vorsitzender der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament. Mit dem CSU-Politiker sprach Albrecht Meier.

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