Griechenland : U-Boot-Kauf in Athen: Ex-Minister verhaftet

Eine deutsche Firma soll den früheren Sozialisten Apostolos-Athanasios („Akis“) Tsochatzopoulos bestochen haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt schon länger gegen ihn. Seine Partei hat ihn bereits ausgeschlossen.

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Apostolos-Athanasios („Akis“) Tsochatzopoulos.
Apostolos-Athanasios („Akis“) Tsochatzopoulos.Foto: dapd

Geldwäsche, Bestechung, Steuerhinterziehung – es sind keine Kavaliersdelikte, die dem früheren griechischen Verteidigungsminister Apostolos-Athanasios („Akis“) Tsochatzopoulos vorgeworfen werden. Die Staatsanwälte ermitteln seit vorigem Jahr, am Mittwoch wurde er verhaftet. Sein Name fiel im Zusammenhang mit Unregelmäßigkeiten bei der Beschaffung von vier U-Booten des deutschen Typs 214 für die Marine. Der 2,85-Milliarden-Euro- Auftrag wurde im Jahr 2000 unter Tsochatzopoulos vergeben. Die ehemalige MAN-Tochter Ferrostaal soll dabei Schmiergelder in zweistelliger Millionenhöhe gezahlt haben. Tsochatzopoulos bestreitet, zu den Schmiergeldempfängern zu gehören.

Aber der Lebensstil des Politikers gab schon lange Anlass zu Fragen nach möglichen „Nebeneinkünften“. Seine Athener Luxusimmobilien kann er mit seinem Ministergehalt oder den Abgeordnetendiäten jedenfalls kaum bezahlt haben. Allein das Stadthaus nahe der Akropolis, in dem er verhaftet wurde, dürfte einen Marktwert von mehreren Millionen Euro haben. Seine Gattin will die Immobilie 2010 günstig von einer Offshore-Firma gekauft haben – wenige Tage bevor die Steuern für solche Objekte drastisch erhöht wurden. Wem das Offshore-Unternehmen gehört, ist bis heute ungeklärt. Viele wohlhabende Griechen registrierten früher Villen und Wohnungen bei solchen vorzugsweise in der Karibik angesiedelten Briefkastenfirmen, um Steuern zu „sparen“.

Kurz nach der Festnahme des Ex-Ministers wurden in Thessaloniki zwei Personen verhaftet, die in den Fall verwickelt sein sollen. Es handelt sich um einen Geschäftsmann und einen Cousin von Tsochatzopoulos, der mit einer Offshore-Firma in Verbindung gebracht wird. Nach Angaben aus Justizkreisen wurden Haftbefehle gegen zwei weitere mutmaßliche Komplizen erlassen.

Tsochatzopoulos hat in Deutschland Ingenieurwesen studiert. Danach arbeitete er in München als Bauingenieur. Er engagierte sich gegen die griechische Militärdiktatur. Deshalb entzogen ihm die Obristen 1968 die Staatsbürgerschaft. In der 1974 nach dem Ende der Diktatur von Andreas Papandreou gegründeten Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) war Tsochatzopoulos ein Mann der ersten Stunde. Zwischen 1981 und 2004 hatte er zahlreiche Regierungsämter inne. Als Minister für öffentliche Bauten war er an der Vergabe öffentlicher Großprojekte beteiligt, auch an Siemens. 2011 wurde er aus der Pasok ausgeschlossen, nachdem ein Parlamentsausschuss die Siemens- Schmiergeldpraktiken zu durchleuchten versuchte. Gerd Höhler

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