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Griechisch-mazedonische Grenze : UNHCR wirft Mazedonien Völkerrechtsverletzung vor

Mazedonien lässt nur noch Flüchtlinge aus bestimmten Ländern zu. An der Grenze zu Griechenland werden viele abgewiesen. Manche reagieren mit verzweifelten Protesten.

Hunderte warten seit Tagen an der griechisch-mazedonischen Grenze. Viele davon protestieren nun gegen die selektive Einlass-Politik Mazedoniens.
Hunderte warten seit Tagen an der griechisch-mazedonischen Grenze. Viele davon protestieren nun gegen die selektive...Foto: dpa/ GEORGI LICOVSKI

Die Vereinten Nationen werfen Mazedonien vor, etwa 1000 Flüchtlinge wegen ihrer Nationalität nicht ins Land zu lassen. Dies sei eine Verletzung des Völkerrechts, sagte ein Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) am Dienstag in Genf. Die Menschen hingen auf griechischer Seite der Grenze fest. "Die neuen Beschränkungen sehen insbesondere so aus, dass die Menschen nach der von ihnen angegeben Staatsbürgerschaft ausgesiebt werden", sagte er. Wer aus Syrien, Afghanistan und dem Irak stamme, dürfe einreisen, andere nicht. Etwa 200 Menschen, darunter viele aus dem Iran, Bangladesch und Pakistan, seien deswegen in einen Hungerstreik getreten. "Jeder Mensch hat das Recht, Asyl zu beantragen, ungeachtet seiner Nationalität", sagte der UNHCR-Sprecher.

Mehrere Hilfsorganisation hatten bereits Ende vergangener Woche neue Grenzkontrollen auf dem Balkan beklagt. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks kommen derzeit täglich mehr als 4000 Menschen nach Europa.

Spektakuläre Proteste gegen Abweisung

Hunderte Flüchtlinge hatten in den letzten Tagen mit spektakulären Protesten auf ihre Abweisung an der griechisch-mazedonischen Grenze bei Gevgelija reagiert. Einige nähten sich den Mund zu, während sich andere Männer mit nackten Oberkörpern in der Kälte präsentierten. Das beobachtete ein Reporter der Fotoagentur epa.

Mazedonien ist nach Griechenland das erste europäische Transitland für die Flüchtlinge auf ihrem Weg in die Mitte Europas. Die meisten von ihnen kommen in Schlauchbooten aus der Türkei und landen nach einer oft lebensgefährlichen Überfahrt auf griechischen Inseln in der Ostägäis. Von dort begeben sie sich zur mazedonischen Grenze.    

Flüchtlinge aus Pakistan, Bangladesch, dem Iran und Afrika kommen aber nun von dort nicht weiter. Tausende von ihnen sind inzwischen in einem Auffanglager bei Idomeni auf der griechischen Seite der Grenze gestrandet, wie Aktivisten berichteten. Manche versuchen, ihre Reise mit Hilfe von Schleppern fortzusetzen. (Reuters, dpa)

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