Grüne Gentechnik : Die politische Kartoffel

Parteien streiten über Gründe und Folgen der Entscheidung von BASF, seine gentechnische Forschung aus Deutschland abzuziehen.

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Pflanze des Anstoßes. Amflora sieht aus wie eine Kartoffel, sollte aber in der Industrie zum Einsatz kommen. Der Erfolg hielt sich in Grenzen.
Pflanze des Anstoßes. Amflora sieht aus wie eine Kartoffel, sollte aber in der Industrie zum Einsatz kommen. Der Erfolg hielt sich...Foto: dpa

Die Ankündigung von BASF, seine Biotechnologie-Sparte aus Deutschland abzuziehen und in die USA zu verlagern, entzweit die Politik. Für Christel Happach-Kasan (FDP) ist der Rückzug des Unternehmens ein „hoch alarmierendes Zeichen“ für den Forschungsstandort Deutschland. Die Politik habe „tatenlos zugesehen, wie sich hierzulande eine wissenschafts- und wahrheitsfeindliche Diskussionsströmung breit gemacht“ habe. Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn sagte hingegen, BASF habe die Entscheidung zwar mit der Verbraucherablehnung begründet. „In Wirklichkeit ist ihr wichtigstes Produkt, die Gentechnik-Kartoffel Amflora, aber ein Flop.“

Im Frühjahr 2010 hatte BASF nach 13 Jahren von der EU-Kommission die Zulassung für den kommerziellen Anbau der gentechnisch veränderten Kartoffel Amflora erhalten. Diese ist nicht für den Verzehr gedacht, sondern zur Herstellung von Papier und Klebstoffen. In den vergangenen zehn Jahren hat BASF 1,2 Milliarden Euro in die Entwicklung von GenPflanzen investiert. Die aus dem Amflora-Anbau erwarteten Umsätze waren mit 30 Millionen Euro pro Jahr aber überschaubar.

In Deutschland wurde Amflora 2010 in Mecklenburg-Vorpommern angebaut, wo es wiederholt zu Protesten von Gentechnikgegnern kam. Die Ernte wurde jedoch vom dortigen Agrarministerium beschlagnahmt, nachdem es in Schweden zu einer BASF-Panne kam: Auf einem Amflora-Feld waren Genkartoffeln der Sorte Amadea ausgesät worden, für die es keine Zulassung gab.

Der Gentechnikexperte Christoph Then, der mit dem Institut Testbiotech unabhängige Technikfolgenforschung betreibt, sagt, der BASF-Einstieg in die grüne Gentechnik habe „keine wirtschaftlichen Gründe“ gehabt, sondern politische. Die Branche habe gehofft, mit BASF einen erfolgreichen Lobbyisten für die Technologie in Europa gefunden zu haben. Für Amflora habe es aber keinen Markt gegeben, und auch die BASF-Kartoffel Fortuna, die zumindest vorläufig gegen einen Pilz resistent ist, habe es mit einem „sehr anpassungsfähigen Pilz“ zu tun.

Nach Ansicht der FDP-Politikerin Happach-Kasan sind die Vorteile für Verbraucher und Umwelt und die „herausragend gute Sicherheitsforschung“ zu wenig herausgestellt worden. Statt Rückgrat zu zeigen, sei man vor einer öffentlichen Meinung zurückgeschreckt, die auf fehlender und falscher Information basiert habe. Der CDU-Experte Franz-Josef Holzenkamp verlangte, zwar müsse man die Vorbehalte und Ängste der Bürger Ernst nehmen. Wenn man die Firmen abwandern lasse, begebe man sich aber auch bei der Fähigkeit, Risiken einzuschätzen, in die Abhängigkeit anderer. Für die fehlende Akzeptanz machte Holzenkamp die Wirtschaft mitverantwortlich. Sie habe „zu wenig getan, um den Nutzen und die Notwendigkeit solcher Forschung für die Menschen deutlich zu machen“.

Die Grünen-Politikerin Höhn rechnet damit, dass die Unternehmen mittelfristig ihre Agro-Gentechnik-Forschung aufgrund mangelnder Zukunftsperspektiven ganz einstellen werden. „Die Landwirte merken, dass die Unternehmen mit dem Verkauf nur Kasse machen wollen, der versprochene Nutzen sich aber nicht erfüllt.“ In Europa sinke der immer schon geringe Anbau seit Jahren, auch in den USA sei der Gentechanbau 2010 um mehr als 15 Prozent zurückgegangen.

Die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie sieht das anders. Weltweit werde „der Siegeszug von gentechnisch veränderten Pflanzen weitergehen“ und auch Deutschland werde sich dem „auf Dauer nicht entziehen können“. Auch ein Sprecher des Verbraucherministeriums betonte, grundsätzlich bleibe Deutschland „ein attraktives Land für die Pflanzenforschung“. Es sei aber „unbestritten, dass ein Großteil der Verbraucher und Landwirte in Deutschland und Europa die grüne Gentechnik ablehnt“.

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