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Hackerangriff auf Kandidat Macron : Präsident Hollande droht mit Konsequenzen

Hacker haben interne Dokumente des Präsidentschaftskandidaten ins Internet gestellt. Frankreichs Wahlkommission warnt die Medien vor einer Verarbeitung der Unterlagen. Präsident Hollande will reagieren.

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Der unabhängige Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron. Foto: Reuters/Regis Duvignau
Der unabhängige Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron.Foto: Reuters/Regis Duvignau

Frankreichs Staatschef François Hollande hat nach der Veröffentlichung interner Daten des Wahlkampfteams von Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron Konsequenzen angedroht. „Wir wussten, dass es diese Gefahren während des Präsidentschaftswahlkampfs geben würde, weil das anderswo passiert war“, sagte Hollande am Samstag der französischen Nachrichtenagentur AFP. „Nichts wird ohne Antwort bleiben.“

Die französische Wahlkommission hatte die Medien zuvor bereits aufgefordert, keine Inhalte aus den gestohlenen E-Mails zu veröffentlichen. Die Verbreitung der Inhalte könne den Wahlausgang beeinflussen und eine Straftat darstellen, teilte die Kommission am Samstag mit. Ein Teil der im Internet aufgetauchten Unterlagen sei möglicherweise gefälscht. Das Gremium wollte bei einer Sitzung am Samstag über den Hackerangriff beraten.

Seit Ende des Wahlkampfes um Mitternacht dürfen in Frankreich keine Umfrageergebnisse oder andere Dinge veröffentlicht werden, die die Wahl beeinflussen könnten. Unter Hinweis auf diese Vorschrift lehnte auch das Innenministerium eine Stellungnahme zu dem Vorfall ab.

Am späten Freitagabend hatte das Wahlkampfteam Macrons mitgeteilt, dass es Opfer eines massiven Hackerangriffs geworden sei. Ziel der Attacke sei es gewesen, Macron zu diskreditieren. Es seien zehntausende echte Dokumente wie E-Mails und Abrechnungen seiner Bewegung "En Marche!" gestohlen und zusammen mit fingierten online gestellt worden, um Falschinformationen über den Bewerber zu streuen. Es handele sich um eine "massive und koordinierte Attacke" um "Zweifel und Desinformation zu säen", erklärte "En Marche!". Der ernstzunehmende Vorfall könne nicht toleriert werden, da er die Demokratie in Gefahr bringe.

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Emmanuel Macron wird Opfer von Hackerangriff
Emmanuel Macron wird Opfer von Hackerangriff

Die am Freitag kurz vor Mitternacht im Netz verbreiteten Dokumente seien vor einigen Wochen bei Attacken auf persönliche und berufliche E-Mail-Postfächer von Mitarbeitern erbeutet worden, erklärte die Macron-Bewegung. Dass dies ausgerechnet in den letzten Stunden des Wahlkampfs vor der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl am Sonntag geschehen sei deute darauf hin, dass es sich um eine Aktion der "demokratischen Destabilisierung handelt, wie man dies schon beim jüngsten Präsidentschaftswahlkampf in den USA gesehen hat". Ziel der Aktion sei es ganz offensichtlich, wenige Stunden vor der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl Macron und seiner Bewegung zu schaden, hieß es aus dem Umfeld des Kandidaten.

Ein Nutzer namens EMLEAKS hat die Dokumente hochgeladen

Laut der Online-Enthüllungsplattform WikiLeaks handelt es sich bei den ins Internet gestellten Dokumenten um zehntausende E-Mails, Fotos und Dateianhänge wie Rechnungen und Verträge. Die Daten haben demnach einen Umfang von neun Gigabyte. WikiLeaks betonte, selbst nicht Quelle der Veröffentlichung zu sein. Die Dokumente waren von einem Nutzer namens EMLEAKS auf die Plattform Pastebin gestellt worden.

Die jüngsten Dokumente datierten laut WikiLeaks vom 24. April, dem Tag nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahl, aus der Macron als Sieger hervorgegangen war. In der Stichwahl am Sonntag tritt er als Favorit gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen an.

"En Marche" betonte, bei den veröffentlichten Dokumenten handele es sich um vollkommen legale Unterlagen, die den normalen Ablauf eines Präsidentschaftswahlkampfes widerspiegelten. Der Vize-Chef von Le Pens Partei Front National, Florian Philippot, stellte dagegen auf Twitter die Frage: "Werden die #Macronleaks uns etwas verraten, was der Investigativjournalismus absichtlich verschwiegen hat? Fürchterlich, dieser demokratische Schiffbruch."

Le Pen hatte beim TV-Duell mit Macron am Mittwochabend angedeutet, ihr Rivale könnte ein heimliches Auslandskonto besitzen: "Ich hoffe, dass man nicht herausfinden wird, dass Sie ein Offshore-Konto auf den Bahamas haben." Macron warf ihr Verleumdung vor und erstattete Anzeige gegen Unbekannt wegen Verbreitung von Falschnachrichten. Nach Angaben aus Macrons Umfeld war die "Fake News" über das angebliche Geheimkonto von einem anonymen Nutzer im Internet verbreitet worden.

Bereits in den vergangenen Monaten war "En Marche!" nach eigenen Angaben Ziel tausender Hackerangriffe gewesen. Vor wenigen Tagen hatten Experten einen russischen Hackerangriff der Gruppe Pawn Storm auf die Bewegung gemeldet. Die Gruppe soll auch für frühere Angriffe auf die US-Demokratin Hillary Clinton und die CDU von Bundeskanzlerin Angela Merkel verantwortlich sein. Pawn Storm wird verdächtigt, Verbindungen zu den russischen Geheimdiensten zu unterhalten.

Die französische Regierung hatte wiederholt vor einer russischen Einmischung in den Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich gewarnt. Sie verdächtigte Moskau, die Wahl zugunsten der Rechtspopulistin Marine Le Pen beeinflussen zu wollen, die als russlandfreundlich gilt.

Macron gilt als Favorit bei der entscheidenden Wahlrunde am Sonntag. Laut den letzten Umfragen vom Freitag kann er mit rund 62 Prozent der Stimmen rechnen, Le Pen mit rund 38 Prozent.

Macron ist das bevorzugte Ziel von Falschmeldungen im Frankreich-Wahlkampf. Nicht zum ersten Mal wurden Fake-News und wilde Spekulationen über ihn verbreitet. Es hieß, er sei homosexuell, habe als Wirtschaftsminister Geld für seinen eigenen Wahlkampf abgezweigt und unterhalte ein Konto auf den Bahamas.

Frankreichs Nationale Kommission zur Kontrolle des Wahlkampfes (CNCCEP) schaltete sich ein und forderte die Medien auf, die falschen Informationen nicht zu verbreiten. „Le Monde“ kommentierte dazu: „Vor dem zweiten Wahlgang veröffentlichen wir keine Dokumente.“ Sie seien gezielt zu diesem Zeitpunkt gestreut worden. Man wolle erst selbst recherchieren und würde aber veröffentlichen, sollte sich etwas als richtig erweisen.(mm, dpa, AFP)

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