Harald Martenstein : 6,7 Millionen Kaufpreis ist für eine WM ziemlich wenig

Nur 6,7 Millionen Euro? Fußballweltmeisterschaften sind erstaunlich günstig, findet Harald Martenstein. Er ist eher amüsiert als empört. Eine Glosse.

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Harald Martenstein, Kolumnist des Tagesspiegels.
Harald Martenstein, Kolumnist des Tagesspiegels.Foto: picture alliance / dpa

Der Deutsche Fußball-Bund steht nach Enthüllungen des „Spiegel“ unter Korruptionsverdacht, angeblich gehörte auch Franz Beckenbauer zu den Mitwissern. Jetzt fragen sich viele: Ist das noch Deutschland? Wir sind doch immer die Guten! Nun, die Summe, mit deren Hilfe sich der DFB die Fußball-WM von 2006 gekauft haben soll, ist immerhin als „Beitrag zum Kulturprogramm“ deklariert worden. Das heißt, selbst, wenn wir bestechen, bleiben wir Deutschen eine Kulturnation. Neben unserer berühmten Willkommenskultur und dem Kulturbeutel haben wir eben auch eine Schmiergeldkultur. Was spricht eigentlich dagegen, den DFB umzubenennen, in „Freunde der italienischen Oper“?

Wenn Franz Beckenbauer im Sumpf versinkt, der Kaiser, dann verlieren viele eine ihrer wichtigsten Identifikationsfiguren, als Lichtgestalt bleibt da eigentlich nur noch Margot Käßmann übrig. Anderseits, man muss sich auch mal die anderen Kaiser anschauen, die es so gegeben hat. Kaiser Nero soll Rom angezündet haben, Kaiser Caligula hat sein Pferd zum Konsul ernannt und Kaiser Bokassa hat seine Gegner angeblich als Kannibale zu Grillsteaks verarbeitet. Egal, was noch herauskommt – das alles ist nicht der Stil von Franz Beckenbauer.

Ein bisschen naiv

Die angeblich gekaufte WM ist von den Medien sehr schnell mit dem Namen „das Sommermärchen“ belegt worden. Dies ist ein Indiz dafür, dass zumindest ein paar Journalisten von Anfang an Bescheid wussten. Dass bei einem Märchen nicht alles der Wahrheit entspricht, weiß jedes Kind. Nur eine Sache ist seltsam. Die Fußball-WM wurde, falls die Enthüllungsjournalisten recht haben, für eine Summe von 6,7 Millionen Euro gekauft. Das ist bei einem so gigantischen Weltereignis erstaunlich wenig. Fußball-Weltmeisterschaften sind günstig. Man könnte sich fast darüber wundern, wieso es noch keine Weltmeisterschaften bei Aldi oder Tchibo zu kaufen gibt. Sieben Millionen Euro? So viel kann sogar Berlin zusammenkratzen. Man muss sich das einmal vorstellen: Mit dem Geld, das der neue Flughafen am Ende womöglich gekostet haben wird, hätten wir Berliner bei der Fifa ungefähr 1000 Fußball-Weltmeisterschaften kaufen können. Wir könnten für 4000 Jahre das Endspiel im Olympiastadion haben, mit den Maskottchen Hertinho, der den Pokal irgendwann vielleicht sogar an grüne Marsmännchen überreicht.

Ich bin eher amüsiert als empört, merkt man das? Irgendwie ist es naiv, anzunehmen, dass irgendeine Sache, die mit der Fifa zusammenhängt, nicht kriminell sein könnte. Aber man muss ja das Ende der Ermittlungen abwarten. Ist eigentlich bei der Wahl von Papst Benedikt alles in Ordnung gewesen? Als ich in „Bild“ die Schlagzeile „Wir sind Papst“ gelesen habe, wir, die „Bild“-Zeitung, hatte ich gleich einen Verdacht.

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