Politik : Hessens SPD-Spitzenfrau will Scheer als Minister

Andrea Ypsilanti beruft Bundestagsabgeordneten als Mann für Wirtschaft und Umwelt in Wahlkampfteam

Christoph Schmidt Lunau

Wiesbaden - Die SPD-Spitzenkandidatin für die hessische Landtagswahl, Andrea Ypsilanti, hat auf einem energiepolitischen Kongress ihrer Partei in Wiesbaden den SPD-Bundestagsabgeordneten Hermann Scheer als erstes Mitglied ihrer Regierungsmannschaft benannt. In ihrem Wahlkampfteam soll der Energieexperte für die zentralen Ressorts Wirtschaft und Umwelt zuständig sein.

Mit Scheer habe sie eine weltweit anerkannte und profilierte Persönlichkeit auf dem zentralen Feld der erneuerbaren Energie gewonnen, so Ypsilanti. Zusammen mit Scheer habe sie bereits das Programm „Neue Energie für Hessen“ ausgearbeitet, das Hessen Zukunftsfähigkeit und viele neue Arbeitsplätze sichern werde, so Ypsilanti. Scheer erklärte, er sehe die Chance, in Hessen mit einer beispielhaften Raumordnungs- und Infrastrukturpolitik den Ausbau erneuerbarer Energien massiv voranzubringen. Nur so sei es möglich, am Ausstieg aus der Atomkraft festzuhalten, ohne neue fossile Großkraftwerke bauen zu müssen. Scheer kritisierte den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) als vehementesten Befürworter der Atomenergie, der gleichzeitig den Ausbau erneuerbarer Energien behindere.

Hermann Scheer macht sich seit mehr als 20 Jahren weltweit für die Nutzung erneuerbarer Energien stark. Anfangs als „Solarfighter“ belächelt, genießt er inzwischen internationale Anerkennung. 1999 erhielt er den alternativen Nobelpreis „für seinen Einsatz gegen politische und institutionelle Widerstände, die Interessengruppen der Atomkraft und der fossilen Energieträger häufig durchzusetzen versuchen“, so damals die Jury. Er ist Vorsitzender des Weltrats für erneuerbare Energien und Vorsitzender des Internationalen Parlamentarier-Forums „Erneuerbare Energien“. Der 63-jährige Bundestagsabgeordnete war maßgeblich an der Ausformulierung der Gesetze beteiligt, mit denen die Energieversorger verpflichtet wurden, Strom aus Windenergie und Solarzellen zu festen Preisen abzunehmen. Scheer ist im hessischen Wehrheim geboren und wuchs in Berlin auf. Auch als Sportler machte er sich einen Namen. Als Moderner Fünfkämpfer schaffte er den Sprung bis in die Nationalmannschaft. Außerdem hat er eine Offiziersausbildung absolviert. Er gilt wie Andrea Ypsilanti als Parteilinker. So kritisierte er öffentlich das Nato-Bombardement im Kosovokrieg und ging auch in anderen, vor allem außenpolitischen, Fragen auf Distanz zu seiner Partei. Christoph Schmidt Lunau

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