Hilfsfonds eingerichtet : Opfer aus DDR-Heimen erhalten Unterstützung

Für die Opfer der Heimerziehung in der DDR ist ein Fonds eingerichtet worden, der bei der Aufarbeitung der oft traumatischen Erlebnisse helfen soll. Westdeutsche Heimkinder wurden bereits mit 120 Millionen Euro unterstützt.

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Nicht immer ging es so lustig zu: Jungen und Mädchen aus einem Kinderheim in Ostberlin beim Rodeln im November 1965.
Nicht immer ging es so lustig zu: Jungen und Mädchen aus einem Kinderheim in Ostberlin beim Rodeln im November 1965.Foto: dpa

Mit 40 Millionen Euro wollen Bund und ostdeutsche Länder einen Fonds ausstatten, der Opfern der Heimerziehung in der DDR vom 1. Juli dieses Jahres an zugutekommen soll. Das erklärten die Parlamentarischen Staatssekretäre im Bundesfamilien- und im Bundesinnenministerium, Hermann Kues und Christoph Bergner, am Montag in Berlin. Nachdem bereits ein Fonds Heimerziehung West mit einem Umfang von 120 Millionen Euro eingerichtet worden war, soll mit den nun bereitgestellten Mitteln auch Betroffenen aus Ostdeutschland geholfen werden, die Folgen dieser oft traumatischen Erlebnisse aufzuarbeiten. So werden in allen ostdeutschen Ländern Anlauf- und Beratungsstellen eingerichtet, die Betroffene unter anderem beim Zugang zu Hilfeleistungen oder bei der Suche nach ihren Akten unterstützen sollen. Aus dem Fonds sollen auch Rentenersatzleistungen gewährt werden.

Die Entscheidung zur Einrichtung des Fonds stützt sich auf einen Bericht zur „Aufarbeitung der Heimerziehung in der DDR“, der ebenfalls am Montag vorgelegt wurde und sich auf drei ausführliche Expertisen zu den staatlichen Erziehungsvorstellungen, zu komplexen Traumatisierungen der Betroffenen und zu Rechtsfragen der DDR-Heimerziehung stützt. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass Zwang und Gewalt für viele Säuglinge, Kinder und Jugendliche in DDR- Heimen alltägliche Erfahrungen waren. In den Spezialheimen der Jugendhilfe seien Menschenrechte verletzt und den Betroffenen Bildung verweigert worden. Die Heimerlebnisse hätten zu massiven Beeinträchtigungen der Lebenschancen und Entwicklungspotenziale geführt. Viele Betroffene litten an den Spätfolgen, aber auch unter schlechten beruflichen Chancen, Stigmatisierungen und psychischen Traumatisierungen.

In der DDR gab es 474 staatliche Kinderheime, 38 Spezialkinderheime und 32 Jugendwerkhöfe. Seit 1951 unterschied die DDR generell zwischen Heimen für „normal erziehbare“ und für „schwer erziehbare“ Kinder und Jugendliche. Soziale Probleme wurden in der Regel als Störungen auf dem Weg zur Interessensidentität von Individuum und Staat eingestuft, deren Ursachen in „falschen“ Einflüssen in der Erziehung gesucht wurden. Diese bei den „schwer Erziehbaren“ zu beseitigen war insbesondere Aufgabe der Spezialkinderheime.

Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass es noch zahlreiche offene Fragen zur Heimerziehung in der DDR und deshalb weiteren Forschungsbedarf gebe. Das betreffe die pädagogische Praxis in den Heimen, insbesondere in den frühen Jahren der DDR. Noch nicht ausreichend erforscht seien auch die materiellen und pädagogischen Rahmenbedingungen in den verschiedenen Heimarten, die Bedingungen, unter denen Kinder und Jugendliche arbeiten mussten, die schulischen und beruflichen Ausbildungsmöglichkeiten und die Rolle der Staatssicherheit im System der Jugendhilfe. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz mahnte an, auch vertieft zu untersuchen, inwieweit Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 18 Jahren in Sonderheimen unter Missachtung der Elternrechte Psychopharmaka verabreicht wurden.

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